Sechs Personen, die in der Nacht zum Sonntag im Zuge einer Polizeiaktion gegen die Acampada do Porto festgenommen worden waren, sind nach übereinstimmenden Berichten von RTP und der Nachrichtenagentur Lusa gegen 6 Uhr freigelassen worden. Es handelt sich nach Angaben des Anwalts um vier Männer und zwei Frauen. Die Vorladungen zur richterlichen Anhörung wurden für den 27. Oktober terminiert; zuständig ist das Ministério Público.
Die Polícia de Segurança Pública bestätigte die Zahl der Festnahmen im Zusammenhang mit der Räumung des Protestcamps in Porto. In einer Mitteilung verwies die Behörde zudem auf sichergestellte Gegenstände, darunter pyrotechnisches Material, Farbdosen und eine Attrappe von Reizspray. Zugleich sprach die Polizei von Widerstand gegen die Staatsgewalt. Vertreterinnen und Vertreter der Protestbewegung weisen Teile dieser Darstellung zurück und bezeichnen das Vorgehen als unverhältnismäßig. Über die Zahl der Verletzten kursieren unterschiedliche Angaben: Die Polizei meldete mehrere Verletzte, Organisatorinnen und Organisatoren der Camps nannten deutlich höhere Zahlen.
Der Einsatz in Porto steht im Kontext einer landesweit sichtbaren Protestwelle für das Recht auf Wohnen, die sich nach Aktionen in der Stadt seit Mitte Oktober auf weitere Orte ausbreitete. Zeitgleich gab es in Lissabon nächtliche Einsätze mit zusätzlichen Festnahmen. In Porto wurden die Festgenommenen zunächst zur Esquadra do Heroísmo gebracht; dort bestätigte der Anwalt der Gruppe den Ablauf der Entlassungen am frühen Morgen.
Rechtlich ist der Vorgang bedeutsam, weil er Grundfragen des Versammlungsrechts, kommunaler Stadtpolitik und der Einsatzpraxis der Sicherheitskräfte berührt. Die für den 27. Oktober anberaumten Anhörungen sollen klären, ob und welche straf- oder ordnungsrechtlichen Schritte gegen die Freigelassenen eingeleitet werden. Bis dahin gelten die Betroffenen als entlassen, ohne richterliche Vorführung ist über etwaige Auflagen nichts bekannt.
RTP und Lusa berufen sich auf vorliegende Behördenangaben sowie Stellungnahmen aus dem Umfeld der Demonstrierenden. Die divergierenden Verletztenzahlen lassen sich mit der unterschiedlichen Erfassung durch Einsatzkräfte und Protestorganisationen erklären; eine abschließende Bilanz liegt noch nicht vor. Unstrittig ist, dass die Acampada do Porto von der Polizei geräumt wurde und die sechs in Porto Festgenommenen am Sonntagmorgen freikamen. Weitere Entwicklungen hängen von den Entscheidungen des Ministério Público und den Ergebnissen der richterlichen Anhörungen ab.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).