Vier von zehn Fachkräften in Portugal und Spanien geben an, seit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz mehr zu verdienen. Das geht aus einer am 23. September 2026 veröffentlichten Auswertung der europäischen Talentplattform Shakers hervor. Erfasst wurden angestellte und selbstständige Technologie- und Kreativprofis in beiden Ländern; die Einkommenseffekte beruhen auf Selbstauskünften der Teilnehmenden.
Die Studie berichtet zudem, dass 46 Prozent der Befragten angeben, die Mehrheit oder sämtliche KI-Projekte seien bereits produktiv im Einsatz. Bei den unabhängigen Fachkräften mit gestiegenen Honoraren lag der durchschnittliche Zuwachs demnach bei 25 Prozent; dieser Wert bezieht sich ausdrücklich nur auf jene Teilgruppe, die Erhöhungen beobachtet hat, nicht auf alle Respondenten. Separat erwartet knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten, dass Unternehmen bis Ende 2027 mehr Arbeit an spezialisierte unabhängige Fachkräfte vergeben. Diese Erwartung ist eine Prognose der Teilnehmenden und keine gesicherte Entwicklung.
Die Befunde fügen sich in ein differenziertes Bild der KI-Verbreitung in Portugal. Eine im August 2026 von ECO berichtete Erhebung des Softwareanbieters Cegid mit OpinionWay zeigt, dass 84 Prozent der portugiesischen Arbeitnehmer bereits KI-Werkzeuge im Beruf nutzen. Zugleich gaben lediglich 6 Prozent an, dass KI bereits vollständig in die Abläufe ihrer Organisation integriert sei. Der Vergleich legt nahe: Hohe Nutzungsraten gehen nicht automatisch mit einer tiefen organisatorischen Verankerung einher.
Einzuordnen ist, dass die Shakers-Erhebung zwei Länder zusammenfasst und vor allem Berufsgruppen erfasst, in denen sich KI-Effekte früh zeigen können. Angaben zu Stichprobengröße und Repräsentativität werden in den Berichten nicht hervorgehoben; die Ergebnisse sind daher als Indikatoren eines Trends zu lesen, nicht als amtliche Statistik. Auch die Höhe der Einkommenszuwächse kann je nach Branche, Qualifikation und Vertragsform erheblich variieren.
Für Portugal deuten die Zahlen dennoch auf einen wirtschaftlich relevanten Umbruch hin: KI-Anwendungen erreichen vermehrt den produktiven Betrieb, und ein Teil der Beschäftigten – insbesondere Freelancer – kann daraus direktes Einkommen ziehen. Für Unternehmen stellt sich die Aufgabe, zwischen schneller Einführung von Werkzeugen und nachhaltiger Integration in Prozesse und Governance zu balancieren. Personalabteilungen und Betriebsräte stehen zugleich vor der Frage, wie Qualifizierung, Vergütungssysteme und Beschaffung externer Leistungen in einem stärker projektbasierten Arbeitsmarkt gestaltet werden sollen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).