Talgo will Portugal Hochgeschwindigkeitszüge liefern, die sowohl auf iberischer Spurweite als auch auf europäischer Normalspur verkehren können. Das kündigte Vorstandschef Ricardo Chocarro an. Der Vorstoß fällt in eine laufende Beschaffung, in der Comboios de Portugal (CP) Angebote für die erste Serie landesweiter Hochgeschwindigkeitszüge einholt. Nach Angaben aus dem Unternehmen und portugiesischen Medien ist Talgo neben Alstom zur Angebotsabgabe eingeladen.
Die Ankündigung adressiert eine zentrale technische Hürde im iberischen Bahnraum. Portugal plant neue Hochgeschwindigkeitsstrecken grundsätzlich in europäischer Normalspur (1 435 Millimeter), während im bestehenden Netz in Spanien weiterhin vielerorts die iberische Spurweite genutzt wird. Fahrzeuge mit variabler Spurweite oder Umrüstoptionen könnten direkte Verbindungen erleichtern, ohne dass aufwändige Spurwechselanlagen oder Fahrzeugumläufe erforderlich sind. Talgo verfügt mit seinen einschlägigen Drehgestell- und Umspursystemen über Erfahrung in diesem Segment; auch die spanische Renfe setzt solche Lösungen bereits ein.
Für Portugal ist die Frage der Spurweite mehr als eine technische Detailfrage. Sie bestimmt, wie schnell neue Hochgeschwindigkeitskorridore in den grenzüberschreitenden Verkehr mit Spanien eingebunden werden können. Die Europäische Union schreibt für neue Hochgeschwindigkeitsstrecken des transeuropäischen Netzes die europäische Normalspur vor, lässt aber Übergangsphasen mit Mischbetrieb zu. In der portugiesischen Beschaffung werden deshalb Interoperabilität, Zulassung in beiden Ländern und die Anschlussfähigkeit an das künftige Netz zu entscheidenden Wertungskriterien.
Über Preise, Lieferfristen und Vertragszahlen wurde bislang nichts Verbindliches bekannt. CP hat öffentlich gemacht, dass mehrere Hersteller im Wettbewerb stehen; die Auswahl hängt neben technischen Parametern von Betriebskosten, Instandhaltungskonzepten und der Integration in Signal- und Energieversorgungssysteme ab. Aussagen zu möglichen Lieferterminen sind daher Spekulation, solange keine finalen Angebote vorliegen.
Die wirtschaftliche Tragweite des Vorhabens ist erheblich. Hochgeschwindigkeitszüge für zwei Spurweiten verteuern Beschaffung und Instandhaltung, versprechen aber Erträge durch nahtlose grenzüberschreitende Verbindungen. Für Talgo wäre ein Zuschlag in Portugal auch strategisch relevant, weil sich das Unternehmen damit im südwesteuropäischen Markt gegen Alstom und andere Wettbewerber positionieren könnte.
Die Hinweise auf zweispurkompatible Züge stammen aus Äußerungen von Ricardo Chocarro, die von RTP wiedergegeben wurden. Offiziell bestätigt ist damit die Angebotsabsicht, nicht jedoch der Ausgang des Verfahrens. Entscheidend wird, ob die technischen Nachweise für den Betrieb auf europäischer Normalspur und iberischer Spurweite in Portugal und Spanien zeitnah erbracht werden können.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).