Am 22. Oktober 2026 sind in Lissabon erneut Demonstrierende für das Recht auf Wohnen auf die Praça do Rossio zurückgekehrt. Die Versammlung folgt auf die polizeiliche Räumung eines Protestcamps am 20. Oktober, bei der die Polícia de Segurança Pública 55 Personen festgenommen hatte. Nach örtlichen Medienberichten beteiligten sich am Samstagabend und Sonntag mehrere hundert Menschen an der Rückkehr auf den zentralen Platz, der auch als Praça D. Pedro IV bekannt ist.
Die Polizei begründete ihr Vorgehen am 20. Oktober in einer Pressemitteilung mit der unbefugten, dauerhaften Besetzung öffentlichen Raums und sprach von einer koordinierten Maßnahme. Laut übereinstimmenden Berichten wurden die Festgenommenen dem zuständigen Gericht in Lissabon vorgeführt und als Beschuldigte geführt. Nach Angaben des Diário de Notícias wurde die Anhörung auf den 27. Oktober 2026 vertagt. Die Procuradoria-Geral da República bestätigte, dass die Fälle bei der Justiz anhängig sind.
Das Bündnis Movimento pela Habitação erklärte vor Ort, Ziel sei es, die jüngsten Änderungen im Mietrecht zurückzunehmen, Zwangsräumungen zu begrenzen und den öffentlichen Wohnungsbestand durch die Nutzung leerstehender staatlicher Gebäude auszuweiten. Die Organisatoren betonten, die Rückkehr auf den Rossio solle den politischen Druck erhöhen, bis konkrete Maßnahmen zur Dämpfung der Mieten und zur Ausweitung von Sozialwohnungen vorlägen.
Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase stark gestiegener Wohnkosten. In Lissabon und anderen Ballungsräumen sind Mieten und Kaufpreise in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, was Studierende, Geringverdiener und Teile der Mittelschicht besonders betrifft. Die Stadtverwaltung von Lissabon verweist auf bereits laufende Programme zur Aktivierung von Wohnraum, während Aktivistinnen und Aktivisten diese Schritte als unzureichend kritisieren.
Juristisch richtet sich der Blick nun auf das Verhältnis zwischen dem verfassungsrechtlich geschützten Versammlungsrecht und kommunalen Regeln zur Nutzung von Plätzen. Politisch steht die Frage im Raum, ob Regierung und Kommunen kurzfristige Entlastungen auf dem Wohnungsmarkt beschließen. Zugleich dürfte die für den 27. Oktober 2026 angesetzte Anhörung den Konflikt prägen: Je nach Verlauf könnte sie den Streit um die Grenzen des Protests im öffentlichen Raum neu ordnen oder die Fronten weiter verhärten.
Die Lage am Rossio blieb am Sonntag weitgehend ruhig. Die Polizei zeigte Präsenz, Berichte über nennenswerte Zwischenfälle lagen bis zum Redaktionsschluss nicht vor.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).