Portugal und Marokko treiben im Juli 2026 die Vorbereitung einer Stromverbindung per Seekabel voran und setzen bei der Finanzierung auf europäische Programme oder privates Kapital. Bei Gesprächen am 20. und 21. Juli beauftragten Regierungsvertreter die Netzbetreiber REN und ONEE mit vertieften Studien und der Ausarbeitung eines Vorprojekts einschließlich Finanzierungsmodell. Von einer direkten Finanzierung aus nationalen Haushalten war nicht die Rede. Damit rückt die Interkonnektion Portugal-Marokko erneut auf die operative Agenda.
Die portugiesische Ministerin für Umwelt und Energie, Maria da Graça Carvalho, kündigte in Lissabon an, zunächst einen technischen Projektvorentwurf vorzulegen und parallel Optionen für die Mittelaufbringung zu prüfen. Nach Angaben aus beiden Hauptstädten sollen dazu Gespräche mit der Europäischen Kommission in Brüssel sowie mit großen Energieunternehmen geführt werden. REN und ONEE übernehmen in der nächsten Phase die technische und wirtschaftliche Bewertung.
Technisch handelt es sich nach bisheriger Planung um ein Hochspannungs-Seekabel; Streckenführung, Übertragungskapazität und Terminplan stehen noch aus. Ältere Konzepte aus dem Jahr 2016 sahen eine Verbindung mit rund 1.000 Megawatt vor. Ob diese Größenordnung trägt, soll erst nach aktueller Kosten- und Machbarkeitsprüfung entschieden werden.
Finanziell ist das Projekt anspruchsvoll: Unterseeische Interkonnektoren erfordern hohe Anfangsinvestitionen und langfristige Absicherungen. Die Regierungen verweisen daher auf mögliche EU-Förderrahmen für grenzüberschreitende Energieinfrastruktur und auf Beteiligungen privater Investoren. Ob und in welcher Form Brüssel das Vorhaben fördert, ist offen; eine Bestätigung liegt nicht vor. Nationale Haushaltsmittel wurden bislang nicht zugesagt.
Der politische und systemtechnische Treiber ist die stärkere Integration der Strommärkte und der Ausbau erneuerbarer Energien auf beiden Seiten der Straße von Gibraltar. Für Portugal verspricht die Verbindung zusätzliche Netzresilienz und Flexibilität bei schwankender Einspeisung; für Marokko eröffnen sich Exportoptionen und ein robusterer Systemausgleich. Risiken bestehen in Bau- und Betriebskosten, in regulatorischer Komplexität über zwei Rechtssysteme hinweg sowie in möglichen Verzögerungen durch Genehmigungen oder geopolitische Faktoren.
Über den weiteren Zeitplan entscheiden nun die Studien von REN und ONEE sowie Rückmeldungen der Europäischen Kommission. Erst danach lassen sich Umfang, Finanzierungsmix und Realisierungsfenster der Verbindung verlässlich bestimmen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).