In Porto erprobt die Unidade Local de Saúde São João (ULS São João) präklinische Bluttransfusionen durch ihr Notarzteinsatzfahrzeug Viatura Médica de Emergência e Reanimação (VMER). Nach übereinstimmenden Angaben der ULS São João und portugiesischer Medien werden Blutkonserven zu Opfern schwerer Traumata direkt an den Unfallort gebracht und dort verabreicht. Die Maßnahme soll die Überlebenschancen bei lebensbedrohlichen Blutungen verbessern, indem Zeit bis zur definitiven Versorgung im Krankenhaus überbrückt wird.
Die ULS São João nennt das Vorhaben ein Pilotprojekt, das Durchführbarkeit, Sicherheit und Effektivität der präklinischen Gabe von Blut im zivilen Rettungsdienst prüfen soll. Beteiligt sind klinische Dienste des Krankenhauses wie Intensivmedizin und Imunohemoterapia sowie die VMER-Teams. Das Instituto Nacional de Emergência Médica (INEM) ist nach Angaben der Beteiligten organisatorisch eingebunden; über eine landesweite Einführung wurde nicht entschieden.
Die ULS São João verweist darauf, dass der Ansatz in ausgewählten Rettungssystemen international etabliert ist und sich vor allem bei massivem Blutverlust bewähren kann. Für Portugal betont die Einrichtung den Pioniercharakter: Die VMER-Teams des Hauses transportieren Blut gezielt für präklinische Notfälle. Medienberichte und Mitteilungen der ULS São João dokumentierten bereits erste Einsätze vor dem Sommer 2026.
Fakten zum Verfahren: Transfundiert wird im Einsatzfall nach ärztlicher Indikation und dokumentierten Protokollen; Transport, Lagerung und Identitätskontrolle der Präparate erfolgen nach krankenhaushygienischen und transfusionsmedizinischen Standards. Das Pilotprojekt umfasst eine systematische Erfassung von Komplikationen und Behandlungsergebnissen im Vergleich zur bisherigen Versorgung, um Nutzen und Risiken belastbar beurteilen zu können.
Von Fachleuten werden als offene Punkte die kontinuierliche Verfügbarkeit geeigneter Blutpräparate, die Gewährleistung der Kühlkette im Rettungsmittel, die Standardisierung der Abläufe am Unfallort sowie robuste Outcome-Daten genannt. Die ULS São João sieht genau darin den Kern des Piloteinsatzes: Nur mit prospektiv erhobenen Daten lasse sich entscheiden, ob und in welchem Rahmen präklinische Transfusionen künftig in Portugal breiter eingesetzt werden können.
Unabhängig vom Ergebnis des Pilotprojekts gilt: Invasiv-therapeutische Maßnahmen außerhalb des Krankenhauses bedürfen klarer ärztlicher Verantwortung und Qualitätssicherung. Die ULS São João und INEM betonen, dass alle Einsätze der VMER am bestehenden Rechts- und Organisationsrahmen des portugiesischen Notfallwesens ausgerichtet sind.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).