Die Bewegung Acampada de Lisboa will am Dienstag, dem 3. November 2026, erneut Zelte auf der Praça do Rossio in Lissabon aufstellen. Das beschlossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer nächtlichen Versammlung, nachdem das Verwaltungsgericht von Lissabon entschieden hatte, dass ein allgemein kommuniziertes Ende von Versammlungen um 0:30 Uhr nicht automatisch gilt. In dem Verfahren wurde einer Demonstrantin ausdrücklich gestattet, bis zum 24. November 2026 mit einer Zeltunterkunft auf dem Platz zu bleiben.
Die Organisatoren werteten den Gerichtsbeschluss als Bestätigung von Grundrechten und als Teilerfolg der Wohnungsproteste. Zugleich nahmen sie eine Einladung von António José Seguro zu einem Gespräch an. Nach Angaben der Bewegung ging die Einladung über das Präsidialamt (Casa Civil) am Sonntag ein; ein Termin stand zunächst nicht fest. Welche Inhalte besprochen werden sollen, ließ die Gruppe offen. Sie betonte jedoch, Ziel der Aktionen sei es, auf strukturelle Probleme des Wohnungsmarkts in Portugal hinzuweisen.
Auch berufsständische Stimmen reagierten. Die Ordem dos Advogados erklärte in einer Mitteilung vom 2. November 2026, die Entscheidung des Gerichts stelle klar, dass ein polizeiliches Einschreiten nicht allein mit einer Uhrzeitregel begründet werden könne, sondern eine konkrete Gefährdungslage voraussetze. Während der Versammlung am Rossio hielten sich die Behörden nach übereinstimmenden Berichten zurück; es wurden keine größeren Zwischenfälle gemeldet.
Der aktuelle Anlass knüpft an mehrwöchige Auseinandersetzungen um die Wohnraumproteste an. In den vergangenen Wochen war es wiederholt zu Räumungen von Zeltlagern in Lissabon und Porto gekommen, die teils juristisch angefochten wurden. Mit dem nun vorliegenden Beschluss des Verwaltungsgerichts von Lissabon ist aus Sicht der Bewegung geklärt, dass längere, auch nächtliche Präsenz auf dem Rossio im Einzelfall zulässig sein kann. Behörden und Polizei verweisen demgegenüber auf die Pflicht, öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten.
Ob die angekündigten Gespräche politische Bewegung in der Wohnungsfrage auslösen, ist offen. Sicher ist vorerst nur: Die Acampada de Lisboa will die Zelte am 3. November wieder auf dem Rossio errichten und die gerichtlichen Grenzen zwischen Versammlungsfreiheit und Eingriffsbefugnissen weiter austesten.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).