Die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, hat am 7. September 2026 die Vorstellung eines hochrangigen Arbeitsgremiums zur europäischen Verteidigung gestoppt. Das Vorhaben war für denselben Tag vorgesehen und sollte beim informellen Treffen der EU-Verteidigungsminister in Wicklow in Irland erläutert werden. Mehrere Mitgliedstaaten verweigerten jedoch die Unterstützung, woraufhin die Einrichtung des Gremiums unterblieb.
Nach übereinstimmenden Medienberichten war eine Liste prominenter Expolitiker und Militärs in Vorbereitung. Genannt wurden unter anderem der frühere NATO-Generalsekretär und dänische Ex-Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen sowie mehrere ehemalige Verteidigungsminister. Aus Portugal wurde João Gomes Cravinho als möglicher Teilnehmer gehandelt. Eine offizielle Bestätigung der Namensliste durch den Europäischen Auswärtigen Dienst liegt nicht vor; Brüsseler Stellen bestätigten jedoch, dass die Mitgliedstaaten das Projekt nicht mittragen.
Als Gründe nannten Diplomaten die Gefahr von Doppelstrukturen und Kompetenzüberschneidungen mit bestehenden EU-Gremien. Demnach fürchteten vor allem große Mitgliedstaaten, die geplante Runde könne den Einfluss der Mitgliedstaaten im Rat oder der Europäischen Kommission verwässern. Zudem galt die Einbindung externer Experten aus Drittstaaten – genannt wurden unter anderem das Vereinigte Königreich und die Ukraine – als politisch heikel.
Die Absage legt erneut die empfindlichen Trennlinien in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik offen. Kallas hatte das Gremium als schnelle Möglichkeit positioniert, externe Expertise zu bündeln und die strategische Handlungsfähigkeit der EU zu stärken. Kritiker in Hauptstädten wie Frankreich, Deutschland und Italien verwiesen dagegen auf bereits vorhandene Werkzeuge und forderten, Debatten über neue Impulse für die europäische Verteidigung innerhalb der bestehenden Strukturen zu führen.
Für Portugal besteht der unmittelbare Bezug darin, dass der Name João Gomes Cravinho in mehreren Berichten auftaucht. Der frühere Verteidigungsminister wurde von portugiesischen Medien als Kandidat erwähnt; eine offizielle Stellungnahme aus Lissabon lag am Abend des 7. September nicht vor. Konkrete Folgeschritte seitens des Europäischen Auswärtigen Dienstes wurden zunächst nicht angekündigt. Damit bleibt offen, ob und in welcher Form Kallas einen überarbeiteten Vorschlag vorlegen wird oder ob die Debatte über externe Beratung zur Verteidigung ausschließlich in den formalen Institutionen der Europäischen Union weitergeführt wird.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).