Aktuell

Internationaler Währungsfonds weist Bericht zurück: Ricardo Reis nicht wegen Trump-Kritik übergangen

Der Internationale Währungsfonds dementiert, den portugiesischen Ökonomen Ricardo Reis wegen seiner Kritik an US‑Zöllen aus dem Rennen um den Chefposten der Forschung genommen zu haben.

Der Internationale Währungsfonds hat Berichte zurückgewiesen, wonach der portugiesische Ökonom Ricardo Reis wegen öffentlicher Kritik an den US‑Zöllen von Donald Trump aus der engeren Auswahl für die Position der Chefökonomin beziehungsweise des Chefökonomen gedrängt worden sei. Ein entsprechender Artikel der Financial Times vom 10. September berief sich auf drei anonyme Quellen. Der Fonds erklärte laut übereinstimmenden Agenturberichten, Auswahlverfahren seien vertraulich und würden nicht von den im Artikel genannten politischen Erwägungen gesteuert. Entscheidungen beruhten auf einem strengen, wettbewerblichen Prozess.

Als Ergebnis dieses Verfahrens hatte der IWF bereits am 7. Juli 2026 die Berufung von Silvana Tenreyro zur Economic Counsellor und Direktorin der Forschungsabteilung bekannt gegeben. Die Ernennung ist durch eine Pressemitteilung des IWF belegt. Die Financial Times hatte berichtet, eine zuvor erwogene Nominierung von Ricardo Reis sei im Sommer kurzfristig verworfen worden, nachdem er die wirtschaftlichen Folgen von Zöllen kritisiert habe. Konkrete, namentlich belegte Aussagen von Entscheidungsträgerinnen oder Entscheidungsträgern legte das Blatt nicht vor.

Im Kern stehen damit zwei klar trennbare Sachverhalte: Zum einen ist die Besetzung an der IWF‑Spitze der Forschung offiziell und unstrittig. Zum anderen bleibt die von anonymen Quellen behauptete Begründung für eine angebliche Kursänderung im Auswahlprozess unbestätigt. Der IWF widerspricht ausdrücklich; eine separate, auf der IWF‑Website veröffentlichte Stellungnahme speziell zu den Vorwürfen war am Tag der Berichterstattung nicht ersichtlich. Mehrere internationale Medien, darunter RTP und Euronews, griffen die Darstellung der Financial Times auf und stellten sie den IWF‑Dementis gegenüber.

Für Portugal ist der Fall von Interesse, weil Ricardo Reis zu den international profilierten Ökonomen des Landes zählt. Er forscht zu Geldpolitik und Inflationsdynamik und lehrte unter anderem an der London School of Economics. Ob und inwieweit öffentliche Positionierungen von Wissenschaftlern – etwa zu Handelspolitik und Zöllen – Karrieren in internationalen Institutionen beeinflussen, lässt sich aus der vorliegenden Faktenlage nicht belegen. Ohne namentliche Quellen oder interne Dokumente bleibt die Frage offen. Fest steht: Die Leitung der IWF‑Forschungsabteilung liegt seit Juli bei Silvana Tenreyro; der Fonds betont, politische Rücksichten spielten bei Personalentscheidungen keine Rolle.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk