Wirtschaft

Inlandstourismus kritisiert undifferenzierte Politik aus Lissabon

Der Verband AITI wirft Regierung und Behörden vor, ländliche Regionen mit einheitlichen Maßnahmen zu benachteiligen. Präsident Miguel Martins fordert steuerliche Anreize und bessere Infrastruktur.

Der Präsident der Associação Ibérica de Turismo do Interior (AITI), Miguel Martins, hat am 25. Oktober die aus seiner Sicht undifferenzierten „Políticas de Lisboa“ für den Tourismussektor kritisiert. Entscheidungen würden häufig ohne Kenntnis der Gegebenheiten im Landesinneren getroffen, sagte er der Nachrichtenagentur Lusa; RTP Notícias berichtete darüber. Martins verlangt, dass Subventions-, Steuer- und Förderinstrumente gezielt an die strukturellen Probleme ländlicher Regionen angepasst werden.

Nach Angaben der AITI, die Unternehmen und Projekte des ländlichen Tourismus auf der iberischen Halbinsel vernetzt, erschweren Defizite bei Mobilität, Wohnraum und landwirtschaftlicher Nutzung die Entwicklung außerhalb der Küstenmetropolen. Einheitslösungen bevorzugten urbane Zentren und ließen dünn besiedelte Gebiete zurück. Zentrale Forderungen sind steuerliche Anreize zur Aktivierung leerstehender Immobilien im Inneren, eine engere Abstimmung regionaler Tourismusförderung mit Verkehrs- und Infrastrukturpolitik sowie eine frühzeitige Einbindung lokaler Akteure. „An der Küste gibt es Menschen und zu wenig Wohnungen, im Inneren Wohnungen und zu wenig Menschen“, zitierte RTP Notícias den AITI-Präsidenten. Daraus leitet die Vereinigung die Notwendigkeit ab, Wohnraum, Erreichbarkeit und Investitionen koordiniert zu steuern.

Die Kritik fällt in eine breitere Debatte über die künftige Ausrichtung der Tourismuspolitik in Portugal. In den vergangenen Monaten standen Pläne zur Reorganisation regionaler Tourismusbehörden ebenso zur Diskussion wie Lücken im öffentlichen Verkehr in den Binnenregionen. Vertreter regionaler Agenturen, darunter Turismo Centro de Portugal, verweisen seit Längerem auf die Bedeutung besserer Erreichbarkeit und verlässlicher Infrastruktur als Voraussetzung für nachhaltige Nachfrage und Beschäftigung. Während Arbeitgeberverbände und Kommunalpolitiker konkrete Maßnahmen anmahnen, liegen nach gegenwärtigem Stand eher politische Appelle als beschlossene Gesetzesänderungen vor; belastbare Zusagen aus Ministerien sind in den von Lusa und RTP Notícias wiedergegebenen Stellungnahmen nicht dokumentiert.

Als Forum für die Debatte richtet die AITI am 18. und 19. November in Guarda den II. Congresso Mundial de Turismo do Interior aus. Nach Verbandsangaben sind internationale Redner angekündigt, die über Vermarktung, Finanzierung und territoriale Kohäsion im ländlichen Raum diskutieren sollen. Der politische Prüfstein bleibt, ob Regierung und Parlament differenzierte Förderinstrumente entwickeln, die auf die realen Standortnachteile im Inneren reagieren und sie mit konkreten Zeitplänen hinterlegen. Erst wenn steuerliche Anreize, Verkehrsanbindungen und qualifizierte Arbeitskräfte zusammengeführt werden, so die AITI, könne der Inlandstourismus einen stabilen Beitrag zu Wertschöpfung und regionaler Bindung leisten.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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