Gesellschaft

ASPP pocht nach tödlicher Attacke in Cais do Sodré auf Eingriffspflicht „gratifizierter“ Polizisten

Nach dem tödlichen Messerangriff vom 16. August in Cais do Sodré bekräftigt die Polizeigewerkschaft ASPP: Auch gegen Entgelt eingesetzte Beamte müssen einschreiten. Die PSP prüft das Verhalten zweier Polizisten.

Die Associação Sindical dos Profissionais da Polícia hat am 20. August bekräftigt, dass Polizisten, die gegen Entgelt zusätzliche Sicherungsaufgaben übernehmen, bei beobachteten Straftaten unverzüglich eingreifen müssen. Die Gewerkschaft verwies darauf, dass die allgemeine Amtspflicht auch für sogenannte „gratifizierte“ Einsätze gelte. Zugleich wollte die ASPP den konkreten Fall in Lissabon vor Abschluss der behördeninternen Prüfung nicht im Detail kommentieren.

Auslöser der Debatte ist ein tödlicher Messerangriff vom 16. August im Bereich des Cais do Sodré in Lisboa. Ein 25-jähriger Mann starb kurz nach der Tat an seinen Verletzungen. Die Polícia de Segurança Pública (PSP) nahm erste Maßnahmen vor Ort vor und übergab die Ermittlungen zum mutmaßlichen Tötungsdelikt an die Polícia Judiciária.

Öffentlichen Widerspruch rief der Vorwurf einer Zeugin hervor, zwei PSP-Beamte hätten dem Schwerverletzten nicht geholfen. Den Angaben zufolge waren die beiden zum Tatzeitpunkt als zusätzliche Sicherheitskräfte in einem nahegelegenen Supermarkt tätig und griffen deshalb nicht ein. Die PSP prüft die geschilderte Situation dienstrechtlich; Ziel eines internen Verfahrens ist zu klären, ob Pflichten verletzt wurden und ob disziplinarische Schritte angezeigt sind. Angaben zu Ergebnissen lagen bis zum 20. August nicht vor.

Die ASPP stellte klar, dass eine Nebentätigkeit gegen Entgelt („gratificações“) die Einsatzpflicht nicht suspendiert: Wer als Polizeibeamter eine Straftat beobachtet, müsse innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten und mit Blick auf die Eigensicherung handeln. Die Gewerkschaft verwies zugleich auf die Notwendigkeit klarer Vorgaben für solche Konstellationen, in denen private Aufträge und hoheitliche Aufgaben aufeinandertreffen.

Ein früherer Provedor de Justiça warnte im Zusammenhang mit dem Fall vor systemischen Risiken bei der Organisation „gratifizierter“ Dienste und mahnte eindeutige Regeln an. Dabei geht es um die Abgrenzung privatwirtschaftlich vergüteter Tätigkeiten von der ununterbrochen geltenden öffentlichen Verantwortung der Beamten.

Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen der Polícia Judiciária zu Täterschaft und Motiv dauern an. Über Festnahmen oder Tatverdächtige war bis Redaktionsschluss nichts bekannt. Die PSP setzt ihre interne Prüfung fort; über mögliche dienstrechtliche Konsequenzen könnte erst nach Abschluss dieses Verfahrens entschieden werden.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels