Die Acampada de Lisboa hat am Sonntagabend die Räumung ihres Zeltlagers auf der Praça do Rossio in Lissabon beschlossen. Ab Montag will die Bewegung ihre Aktionen in Form täglicher Mahnwachen (Vigílias) fortsetzen. Der Beschluss fiel nach einer öffentlichen Assembleia Popular und wurde vor Ort bekannt gegeben. Als Gründe nannten die Organisatoren jüngste Polizeieinsätze und die Sorge um die Gesundheit der Teilnehmenden.
Auslöser der seit Anfang Oktober andauernden Aktionen ist die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt sowie Kritik an der Mietgesetzgebung. In den vergangenen Tagen kam es mehrfach zu Einsätzen der Polícia de Segurança Pública am Rossio und zu Auseinandersetzungen auch in Porto. Nach übereinstimmenden Berichten wurden dabei Personen vorläufig festgenommen und Verletzte medizinisch versorgt. Die Polizei erklärte, sie setze geltende Auflagen und nächtliche Versammlungsbeschränkungen durch. Vertreter der Bewegung warfen den Einsatzkräften unverhältnismäßige Gewalt vor.
Die Organisatoren kündigten an, die Mahnwachen zunächst am Campus da Justiça zu konzentrieren und weitere, themenbezogene Aktionen an anderen Orten zu prüfen. Zudem sollen Betroffene rechtlich unterstützt und Kontakte zu zivilgesellschaftlichen Gruppen intensiviert werden. Die Bewegung fordert eine unabhängige Aufarbeitung der Einsätze und politische Antworten auf die Wohnungsnot.
Politische Reaktionen fielen geteilt aus. Aus der Opposition kamen Forderungen nach parlamentarischen Abklärungen zu den Polizeieinsätzen. Regierungsvertreter betonten die Pflicht der Behörden, öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten. Aus dem Umfeld der Stadtverwaltung hieß es, man arbeite an der Wiederherstellung des öffentlichen Raums und an Maßnahmen zur Deeskalation.
Mit der Demobilisierung vollzieht die Acampada de Lisboa einen taktischen Wechsel: weg von einer dauerhaften Platzpräsenz hin zu dezentralen Formaten, die den Druck aufrechterhalten und zugleich das Risiko weiterer Konfrontationen senken sollen. Ob die angekündigten Mahnwachen und juristischen Schritte die Bewegung verstetigen, hängt von weiteren Entscheidungen der Regierung und dem Verlauf möglicher Ermittlungen ab. Klar ist, dass die Wohnungspolitik und das Vorgehen der Sicherheitskräfte vorerst auf der politischen Agenda bleiben.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).