Heute in der Geschichte

Was geschah am 26. September in Portugal?

Der 26. September hat Portugal mehrfach geprägt: vom dramatischen Seegefecht in der Baía da Horta während des Britisch-Amerikanischen Krieges über die Ankunft politischer Deportierter in Angra do Heroísmo bis zur ersten großen Weichenstellung des Marcelismo und dem Aufbruch

Kalendertage gewinnen historische Kontur, wenn sich an ihnen Wendepunkte verdichten. In Portugal markiert der 26. September über Jahrhunderte hinweg Momente, in denen Außenpolitik, Machtwechsel, Wissenschaft und Infrastruktur in Augenblicken mit langfristiger Wirkung zusammenlaufen. Von der Baía da Horta über das Palácio de Belém bis zum europäischen Weltraumbahnhof in Kourou reichen die Fäden, die dieses Datum durch die Geschichte des Landes ziehen. Dieser Tagesrückblick ordnet fünf prägnante Ereignisse ein, deren Vorgänge nachweislich genau am 26. September stattfanden. Sie zeigen Portugal als Knotenpunkt transatlantischer Verflechtungen, als Labor politischer Erneuerung und als Akteur technologischer Modernisierung.

Portugal am 26. September

26. September 1814: Ein Seegefecht in neutralen Gewässern erschüttert Horta

In der Baía da Horta auf Faial wurde die portugiesische Neutralität auf eine harte Probe gestellt: Am 26. September 1814 griff eine britische Division die amerikanische Kaperbrigge General Armstrong unter dem Kommando von Samuel Chester Reid an. Der Zusammenstoß – in britischen und amerikanischen Quellen als Battle of Fayal geführt – spielte sich in unmittelbarer Nähe der Festung Santa Cruz ab und eskalierte in der Nacht, mit weiteren Angriffen bis in den Morgen des 27. September. Portugiesische und lokale Darstellungen verorten den Beginn der Kampfhandlungen klar auf den 26. September; die Zerstörung des Schiffs mitten im Hafen von Horta war damit ein offenkundiger Affront gegen die Souveränität in neutralen Gewässern. Zeitgenössische Akten der Capitania Geral dos Açores und spätere militärhistorische Auswertungen zeichnen Ablauf, Akteurskonstellation und diplomatische Folgen nach: Die Operation der unter Robert Lloyd operierenden britischen Einheiten führte zu jahrelangen Verstimmungen zwischen London, Washington und Lissabon und prägte die sicherheitspolitische Wahrnehmung der Azoren als exponierten Atlantikposten.

26. September 1810: Politisch Verfolgte erreichen als „Deportados da Amazona“ Angra do Heroísmo

Im Schatten der französischen Invasionen und innenpolitischer Repression machte am 26. September 1810 die portugiesische Fregatte Amazona im Hafen von Angra do Heroísmo auf Terceira fest. An Bord befand sich eine Gruppe politischer Gefangener – vielfach aufgeklärte Intellektuelle und Freimaurer –, die zuvor in Lissabon verhaftet und ohne ordentliches Verfahren verbannt worden waren. Kommunale Chroniken, museale Dokumentationen und landesgeschichtliche Darstellungen datieren die Ankunft ausdrücklich auf diesen Tag. In Angra wurden die „Deportados da Amazona“ in Festungseinrichtungen untergebracht; ihre Ideen fanden Resonanz, beförderten die Politisierung von Einheiten der Inselgarnison und setzten Impulse für das im Archipel erstarkende liberale Milieu. So verknüpft sich der 26. September 1810 mit einem längerfristigen Strang der portugiesischen Geschichte: der Herausbildung einer verfassungsliberalen Kultur von der Peripherie her, die über die Azoren in den gesamtportugiesischen Reformdiskurs einspeiste.

26. September 1968: Américo Tomás kündigt Marcelo Caetano als neuen Regierungschef an

Nach dem gesundheitlichen Zusammenbruch von António de Oliveira Salazar stand das Estado‑Novo‑Regime vor einem Machtwechsel. Am Abend des 26. September 1968 trat Staatspräsident Américo Tomás im Palácio de Belém vor die Öffentlichkeit und kündigte an, Salazar als Präsidenten des Ministerrates zu entlassen und Marcelo Caetano mit der Regierungsbildung zu betrauen. Bild- und Tonquellen der Rádio e Televisão de Portugal sowie die Überlieferung des Museu da Presidência dokumentieren Zeitpunkt, Ort und Wortlaut der Ansprache. Der institutionelle Vollzug folgte am 27. September per Dekret mit der formalen Ernennung Caetanos. Die Ankündigung vom 26. September markierte den Auftakt des sogenannten Marcelismo: moderatere Töne und eine begrenzte Lockerung im Stil, ohne den autoritären Charakter des Systems oder die Kolonialkriege grundlegend zu beenden.

26. September 1993: Portugal steigt mit PoSAT‑1 in die Raumfahrt ein

In der Nacht zum 26. September 1993 startete vom Weltraumbahnhof Kourou die Ariane 4 auf ihrem Flug V59 und brachte den ersten portugiesischen Satelliten PoSAT‑1 in eine sonnensynchrone Umlaufbahn. Offizielle Missionsübersichten von ESA und CNES, portugiesische Medienarchive sowie technische Angaben belegen das Startdatum und die Nutzlastkonstellation. Portugiesische Zeitangaben vermerken für den Eintritt in den Orbit beziehungsweise die Abtrennung Zeitpunkte in den frühen Morgenstunden des 26. September (Ortszeit Lissabon/Koordinierte Weltzeit); einzelne populäre Rückblicke nennen wegen der Zeitzonenumrechnung den 25. September, was den dokumentierten Ablauf in Europa jedoch nicht berührt. PoSAT‑1 war das Ergebnis eines Industrie‑ und Hochschulkonsortiums um Fernando Carvalho Rodrigues; er blieb deutlich länger als geplant funktionsfähig und wurde zum Referenzprojekt einer wissensbasierten Modernisierungserzählung, an die Universitäten, Ministerien und auch die Força Aérea später anknüpften.

26. September 2022: Regierung ordnet Zuständigkeiten für Unterseekabel neu

Am 26. September 2022 veröffentlichte die Regierung im Diário da República den Decreto‑Lei Nr. 63/2022. Er überträgt der Infraestruturas de Portugal, S. A., die Aufgabe, Tätigkeiten rund um das System der Unterseekabel für elektronische Kommunikation zwischen dem portugiesischen Festland und den autonomen Regionen Azoren und Madeira im Konzessionsregime zu fördern und zu sichern. Der Erlass betont die strategische Bedeutung dieser Lebensadern und die Notwendigkeit ihrer Erneuerung. Damit steht der 26. September 2022 für einen technokratischen, zugleich geopolitisch sensiblen Ansatz zur Gewährleistung der Konnektivität des Archipels – mit Folgen für Wirtschaft, öffentliche Dienste und Resilienz gegenüber Störungen.

Ein Datum, viele Geschichten

Vom Seegefecht im neutralen Hafen über die Ankunft politischer Häftlinge und einen systeminternen Machtwechsel bis zum Aufbruch in den Orbit und zur Sicherung digitaler Lebensadern: Der 26. September zeigt Portugal als Land, das an den Schnittstellen von Meer, Macht und Moderne definiert wird. Das Datum bündelt exemplarisch, wie sehr sich portugiesische Geschichte in Momentaufnahmen des Transatlantischen und des Technologischen spiegelt – und wie Entscheidungen eines Tages noch Jahrzehnte nachhallen.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk