Die Universidade de Coimbra hat am 3. November 2026 Forschungsergebnisse und ein Kurzpapier veröffentlicht, die administrative Hürden als zentrales Risiko für Tempo und Reichweite der Energiewende in Portugal benennen. Das Team um die Juristin Fernanda Paula Oliveira, das im Rahmen des Projekts PERSIST arbeitet, identifiziert unklare Zuständigkeiten zwischen Ebenen der Verwaltung, zusätzliche formale Anforderungen in Kommunen und lange Bearbeitungsfristen als wiederkehrende Hindernisse für Vorhaben mit erneuerbaren Energien und für Energiegemeinschaften.
Kernbefund ist, dass bestehende Instrumente zur Verfahrensvereinfachung in der Praxis nicht konsequent angewendet werden. Insbesondere die Auslegung und Umsetzung lokaler Planungs- und Genehmigungsregeln variieren stark und erzeugen Rechtsunsicherheit. Das Forschungsteam fordert deshalb präzise, verbindliche Leitlinien für Genehmigungsverfahren, eine klare Abgrenzung der Kompetenzen zwischen kommunaler Raumplanung und nationalen Vorgaben sowie den Verzicht auf zusätzliche Auflagen, die über das nationale Recht hinausgehen und kleinere Erzeuger benachteiligen könnten.
Die Analyse stützt sich auf Fallstudien zu Projekten in mehreren Kommunen und richtet sich an Behörden, Projektentwickler und Gesetzgeber. Empfohlen werden standardisierte Checklisten und Fristen, eine bessere Koordination zwischen Dienststellen sowie gezielte Schulungen in Kommunalverwaltungen, um Prüfungen zu beschleunigen und Entscheidungen zu vereinheitlichen. Für Energiegemeinschaften wird hervorgehoben, dass partizipative Verfahren mit klaren rechtlichen Vorgaben zu verbinden sind, damit lokale Akteure Investitionen verlässlich planen können.
Die Autoren ordnen ihre Ergebnisse in bestehende Befunde ein: Schon früher wurde auf begrenzte Verwaltungsressourcen, lange Genehmigungszeiträume und Unsicherheiten bei der Auslegung von Planungsrecht hingewiesen. Neu ist der Fokus auf systematische Lücken der Mehrebenensteuerung, die sich konkret entlang der Schnittstellen zwischen nationalem Vereinfachungsrecht und kommunaler Praxis zeigen. Daraus leitet die Universität Coimbra Prioritäten für kurzfristig umsetzbare Schritte ab: konsequente Anwendung bereits geltender Vereinfachungsinstrumente, präzisere Vorgaben im Genehmigungsrecht und bessere Daten über Durchlaufzeiten.
Ob die Exekutive oder das Parlament kurzfristig gesetzgeberisch nachsteuern, bleibt offen. Die Universidade de Coimbra und das Projekt PERSIST liefern jedoch eine juristisch und verwaltungspraktisch fundierte Grundlage für Reformen, die unmittelbar auf die Beschleunigung von Projekten mit erneuerbaren Energien in Portugal zielen. Der Ansatz verbindet technische, rechtliche und partizipative Aspekte und soll so Rechtssicherheit erhöhen, Investitionen erleichtern und die gesellschaftliche Akzeptanz stärken.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).