Forscherinnen und Forscher der Faculdade de Medicina da Universidade do Porto haben am 1. Oktober 2026 Ergebnisse der Beobachtungsstudie PLAN-HF vorgelegt: Eine am Ort der Behandlung durchgeführte Herzultraschall-Untersuchung in der Primärversorgung identifizierte bei zahlreichen Patientinnen und Patienten strukturelle Veränderungen, die bei klinischer Untersuchung und EKG unentdeckt geblieben wären. In der Kohorte von 196 Personen mit einem Durchschnittsalter von 66 Jahren führte die kardiale Point-of-care-Echokardiographie (POCUS) in einer relevanten Zahl von Fällen zu einer Reklassifikation – insbesondere vom Stadium A zum Stadium B der Entstehung einer Herzinsuffizienz nach etablierten Kriterien.
Die Untersuchungen fanden in portugiesischen Primärversorgungszentren statt, darunter eine Unidade de Cuidados de Saúde Personalizados in Celorico de Basto. Studienleiter Jonathan dos Santos, der seine Dissertation an der Faculdade de Medicina da Universidade do Porto verteidigte, hebt hervor, POCUS könne die Diagnostik in Hausarztpraxen ergänzen, Überweisungen und weiterführende Bildgebung gezielter machen und Patientinnen und Patienten unmittelbar in die Besprechung der Befunde einbeziehen. Die Autorinnen und Autoren betonen zugleich, dass der Ultraschall die körperliche Untersuchung und das EKG nicht ersetzt, sondern gezielt erweitert.
Parallel läuft das größere, registergestützte Projekt PRIMARY-HF (NCT07711821). Es prüft in mehreren Unidades de Saúde Familiar, ob die Kombination aus NT-proBNP-Testung und kardialem Point-of-care-Ultraschall eine frühere und treffsichere Risikostratifizierung ermöglicht. Nationale Fachgremien hatten wiederholt strukturelle Defizite in der Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz benannt; die neuen Daten werden deshalb als Impuls für eine systematische Ausstattung von Praxen mit tragbaren Ultraschallgeräten und für eine breitere Verfügbarkeit von NT-proBNP im Serviço Nacional de Saúde gewertet.
Einordnung und Grenzen: PLAN-HF ist eine beobachtende, verhältnismäßig kleine Studie. Sie zeigt diagnostischen Zusatznutzen, erlaubt aber keine Aussagen zu Kosteneffektivität oder harten klinischen Endpunkten wie Hospitalisierung und Mortalität. Solche Effekte müssen in größeren, multizentrischen und möglichst randomisierten Studien mit längerer Nachbeobachtung belegt werden. Offen sind auch organisatorische Fragen: Welche Mindeststandards gelten für Ausbildung, Supervision und Qualitätssicherung? Wie werden Gerätebeschaffung und Testkosten finanziert, und welche Auswirkungen hat ein breiter Einsatz auf Überweisungsströme und Wartezeiten in der Kardiologie? Die Forschenden plädieren für Pilotprogramme in unterschiedlichen Regionen Portugals, um Nutzen, Machbarkeit und Ressourceneinsatz belastbar zu quantifizieren.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).