Die Fundação Francisco Manuel dos Santos hat am 28. Oktober 2026 eine umfassende Bestandsaufnahme des portugiesischen Steuersystems vorgelegt. Demnach existieren rund 800 aktive Steuervergünstigungen, von denen knapp 40 Prozent nicht verlässlich beziffert sind. Die Autorinnen und Autoren kritisieren eine unübersichtliche Regelarchitektur, fehlende Planung sowie Lücken bei der Wirkungskontrolle. RTP Notícias berichtete am Veröffentlichungstag über zentrale Befunde der Untersuchung.
Nach Einschätzung der Stiftung begünstigt die heutige Struktur von Ausnahmen und Ermäßigungen Verteilungseffekte zulasten von Beschäftigten und Mittelschicht. Zugleich entstünden Wettbewerbsverzerrungen zwischen Unternehmen, weil Vergünstigungen teils sektorspezifisch, teils historisch gewachsen und selten systematisch evaluiert seien. Das Steueraufkommen stütze sich weiterhin vor allem auf die Einkommensteuer (IRS), die Körperschaftsteuer (IRC) und die Mehrwertsteuer (IVA), während zahlreiche Ausnahmen die Bemessungsgrundlagen aushöhlen könnten.
Als Referenz für Transparenz und Nachvollziehbarkeit verweist die Studie auf die von der Steuerbehörde Autoridade Tributária e Aduaneira veröffentlichten Berichte zur Despesa Fiscal. Diese Auswertungen erfassen die haushaltswirksamen Mindereinnahmen durch steuerliche Ausnahmen, decken aber nach Darstellung der Stiftung die Vielzahl der Vergünstigungen und deren Effekte nur unvollständig ab. Das hohe Maß an Unklarheit erschwere die mittelfristige Finanzplanung und untergrabe das Vertrauen der Steuerzahler in die Fairness des Systems.
Die Fundação Francisco Manuel dos Santos empfiehlt daher eine konsolidierte, öffentlich zugängliche Datenbank sämtlicher Vergünstigungen, klare Evaluationsfristen, verbindliche Kriterien für Einführung und Verlängerung sowie befristete Geltungsdauern mit systematischen Überprüfungen. Zudem soll die parlamentarische Kontrolle in der Assembleia da República gestärkt werden, um die Zielgenauigkeit und Kostentransparenz steuerlicher Ausnahmen zu erhöhen. Konkrete Zeitpläne oder Gesetzentwürfe benennt die Untersuchung nicht; sie zielt auf ein Verfahren, das Gesetzgebung und Verwaltungspraktiken enger verzahnt.
Die Veröffentlichung versteht sich als Radiografie des Status quo. Sie ordnet die Vielzahl an Regelungen und quantifiziert, wo möglich, fiskalische Wirkungen. Wo Daten fehlen, markiert sie Informationslücken und Prioritäten für weitergehende Analysen. Die Debatte über Umfang und Steuerungswirkung von Vergünstigungen erhält damit neuen Auftrieb – auf Grundlage einer konsistenten Datensammlung und mit Blick auf eine klarere Ausrichtung an verteilungspolitischen und effizienzbezogenen Zielen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).