Die Fundação Francisco Manuel dos Santos hat am 28. Oktober 2026 den ersten Band ihres Projekts Portugal Fiscal veröffentlicht. Zentrales Ergebnis: Die Belastung durch das Imposto sobre os Produtos Petrolíferos e Energéticos (ISP) fällt relativ zum Einkommen bei Haushalten mit mittleren Erträgen am höchsten aus. Die Autorinnen und Autoren verknüpfen dafür aktuelle Steuer- und Verbrauchsdaten mit den jüngsten Haushaltserhebungen; sie werten vor allem Daten bis 2025 aus.
Laut Studie reduzieren einkommensschwächere Haushalte ihren direkten Kraftstoffverbrauch, indem sie vermehrt öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Dagegen geben Haushalte mit mittleren Einkommen einen größeren Anteil ihres Budgets für Kraftstoff aus und tragen damit anteilig stärker zur ISP-Einnahme bei. Haushalte mit hohen Einkommen profitieren häufiger von steuerlichen Abzügen, insbesondere für Gesundheits- und Bildungsaufwendungen, was ihre effektive Steuerlast mindert.
Die Untersuchung ordnet die Ergebnisse in das Gesamtbild der portugiesischen Staatsfinanzen ein. Die Mehrwertsteuer bleibt demnach die tragende Säule der Einnahmen. Der gemeinsame Beitrag fahrzeugbezogener Abgaben – namentlich Imposto Sobre Veículos (ISV) und ISP – am Steueraufkommen ist seit den 2000er Jahren gesunken. Als ein Treiber wird die allmähliche Fahrzeugelektrifizierung genannt, die den direkten Verbrauch fossiler Kraftstoffe dämpft. Zugleich verweist der Bericht auf zahlreiche steuerliche Begünstigungen ohne belastbare Kostenschätzung, was Transparenz und Steuerungsfähigkeit beeinträchtige.
Politischer Kontext: Die Befunde erscheinen in einem Jahr, in dem die Kraftstoffpreise wiederholt Debatten über Entlastungen auslösten. Die Regierung diskutierte im September 2026 befristete Mechanismen zur Senkung des ISP und stellte zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen in Aussicht. Solche temporären Eingriffe verändern kurzfristig die Verteilungswirkungen, lösen aber nach Einschätzung der Studienautorinnen und -autoren nicht zwangsläufig strukturelle Gerechtigkeitsfragen des Systems.
Methodische Hinweise: Die Auswertung beruht auf amtlichen Steuerdaten, Haushaltsbefragungen und Ausgabenstatistiken bis einschließlich 2025. Die Autorenschaft betont, dass Verteilungswirkungen von Reformvorschlägen – etwa eine breitere Ökologisierung des Steuersystems oder gezielte Kompensationen – gesondert zu prüfen sind.
Die Ergebnisse sind für die Fiskalpolitik in Portugal überregional bedeutsam: Sie betreffen Millionen Pendlerinnen und Pendler, den öffentlichen Verkehr sowie die Gestaltung von Abzugsregeln. Die Studie Portugal Fiscal liefert damit eine aktuelle Datengrundlage für anstehende Haushalts- und Steuerentscheidungen und macht zugleich Transparenzdefizite sichtbar.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).