In Portugal lebt nach Angaben der Friedrich-Ebert-Stiftung ein großer Teil der Bevölkerung in Energiearmut. RTP Notícias berichtet, dass 19 Prozent der befragten Menschen angeben, die für ihren Haushalt notwendigen Energiekosten kaum oder gar nicht bezahlen zu können. Die Auswertung ist Teil des Projekts gEneSys und vergleicht sechs europäische Länder. Grundlage bilden insgesamt 17.889 Antworten aus Portugal, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Schweden.
Im Ländervergleich liegt Portugal damit hinter Frankreich mit 25 Prozent. Deutschland kommt demnach auf 13 Prozent, Schweden auf 10 Prozent; Italien und Polen werden jeweils mit 18 Prozent ausgewiesen. Die Erhebung misst Selbstauskünfte zur finanziellen Belastung durch Strom- und Wärmeausgaben. Eine amtliche Armutsdefinition ersetzt sie nicht, liefert aber Hinweise auf soziale Lagen, die von Energiepreisen und Gebäudezustand besonders betroffen sind.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Energiearmut nicht nur ein einkommensbezogenes Phänomen ist. Erhöhte Risiken zeigen sich dem Bericht zufolge bei Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen sowie in ländlichen Regionen, wo ineffiziente Gebäude und eingeschränkter Zugang zu Dienstleistungen häufiger sind. In Portugal sind Frauen mit niedriger bis mittlerer Schulbildung, die Pflegeaufgaben übernehmen, überdurchschnittlich gefährdet. Ein zusätzlicher Faktor ist der Bedarf an elektrisch betriebenen medizinischen Geräten im Haushalt, der den Energieverbrauch und damit die finanzielle Belastung erhöht.
Politisch empfehlen die Verfasserinnen und Verfasser, Unterstützungsinstrumente gezielt auf diese Muster zuzuschneiden. Genannt werden einkommensabhängige Entlastungen, Schutzmechanismen in der Grundversorgungstarifierung für Haushalte mit erhöhtem Versorgungsbedarf sowie Investitionen in energetische Sanierungen, insbesondere im Mietsektor und in strukturschwachen Regionen. Gerade Gebäudeeffizienzprogramme könnten die strukturelle Abhängigkeit von hohen Energiekosten verringern und damit präventiv wirken.
Die Ergebnisse sind als Momentaufnahme der Befragtenlage zu interpretieren. Methodische Einschränkungen wie mögliche Verzerrungen durch Selbstauskunft und die zeitliche Einordnung der Datenerhebung werden von der Friedrich-Ebert-Stiftung benannt. RTP Notícias fasst die zentralen Befunde aktuell zusammen und verweist auf die zugrunde liegenden Materialien von FES Portugal. Aus portugiesischer Perspektive liefert die Studie belastbare Anhaltspunkte für die Ausgestaltung von Sozial-, Energie- und Wohnungspolitik in einer Phase, in der die Haushalte weiterhin von Preis- und Zinsentwicklungen sowie von einem Modernisierungsrückstand im Gebäudebestand geprägt sind.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).