Die anhaltend niedrige Produktivität ist der zentrale Bremsfaktor für das Wachstum der portugiesischen Volkswirtschaft. Zu diesem Befund kommt ein Studienprojekt unter Koordination des früheren Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho, des ehemaligen Abgeordneten Sérgio Sousa Pinto und des Präsidenten der Associação Comercial do Porto, Nuno Botelho. Die Kernaussagen wurden am 11. September 2026 über RTP bekanntgegeben.
Das Vorhaben der Associação Comercial do Porto mit dem Arbeitstitel „Bloqueios versus Reformas: uma visão para Portugal“ ist nach Angaben der Organisatoren zweigeteilt. In einer ersten Phase werden strukturelle Blockaden ermittelt, die Kapital, Arbeit und Innovation an einer effizienteren Nutzung hindern. In einer zweiten Phase sollen darauf aufbauend Reformvorschläge mit Zeitplan sowie mit Kosten- und Finanzierungsabschätzung formuliert werden.
Als vorrangige Engpässe nennt das Projekt Defizite beim Humankapital und im Management, eine geringe durchschnittliche Unternehmensgröße, unzureichende Spezialisierung, Investitionsschwäche sowie institutionelle Hindernisse. Dazu zählen etwa Zentralismus, Bürokratie, eine komplexe Steuerlast, lange Verfahrensdauern in der Justiz und regulatorische Barrieren. Die Studie betont, jüngere Zuwächse des Bruttoinlandsprodukts seien überwiegend aus Beschäftigungsaufbau entstanden und nicht aus spürbaren Produktivitätsfortschritten.
Die Koordinatoren kündigen einen breiten Konsultationsprozess mit Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft an. Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, die Anreize für höhere Wertschöpfung, größere Unternehmensskalen und stärkere Innovation setzen. Die offizielle Präsentation des vollständigen Berichts ist für Ende 2026 geplant. Bis zur Veröffentlichung der Methodik und Detailergebnisse bleiben Wirksamkeitsaussagen zu einzelnen Maßnahmen ausdrücklich vorläufig.
Ökonomisch wäre die Diagnose weitreichend: Ohne strukturelle Reformen in Bildung, Unternehmenspolitik, Kapitalmarkt, Wohnungsmarkt und Verwaltung dürften Lohn- und Wohlstandsgewinne schwer erreichbar bleiben. Der Befund ist mit früheren Hinweisen vereinbar, wonach Portugals Produktivitätsniveau im europäischen Vergleich niedrig ist und sich nur langsam verbessert. Konkrete Rangangaben oder Zielwerte nennt der jetzt kommunizierte Zwischenstand nicht.
Die öffentliche Bekanntgabe schafft damit einen aktuellen Anlass für eine breitere Debatte über Prioritäten der Wirtschaftspolitik in Portugal. Ob und in welchem Umfang Regierung und Parlament Elemente des Reformkatalogs aufgreifen, hängt von der Ausgestaltung der endgültigen Empfehlungen ab, die erst mit dem Abschlussbericht vorliegen werden.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).