Wirtschaft

Stromtarife steigen trotz günstiger Börsenpreise in Portugal

ERSE hebt im regulierten Markt um 2,7 Prozent an. Umlagen und Netzentgelte dämpfen den Effekt sinkender Großhandelspreise auf Endkunden und Industrie.

In Portugal sind zum 1. Oktober 2026 höhere Stromtarife im regulierten Markt in Kraft getreten. Die Energieregulierungsbehörde ERSE beziffert die Anpassung auf durchschnittlich 2,7 Prozent. Begründet wurde die Maßnahme mit Aktualisierungen der Energiekomponente im Gefolge der Marktpreise. Für Haushalte und kleine Betriebe im regulierten Markt verteuert sich damit der Strom trotz zeitweise niedrigerer Börsenpreise.

Hintergrund ist eine auseinanderlaufende Entwicklung von Großhandel, Umlagen und Netzkosten. Während der Spotmarkt auf der Iberischen Halbinsel 2026 phasenweise von hoher Einspeisung aus erneuerbarer Erzeugung und entsprechend niedrigeren Börsenpreisen geprägt war, stiegen zugleich regulierte Preisbestandteile. Dazu zählen Netzentgelte und Beiträge für Systemdienste, die für Netzstabilität und Versorgungssicherheit anfallen und nicht direkt mit dem Tagespreis an der Börse korrespondieren.

Regulatorisch wurden in diesem Jahr mehrere Stellschrauben bewegt. Im Januar 2026 hob die Regierung eine Abgabe von 7 Prozent auf die Stromerzeugung auf. Laut branchenkundigen Berichten schuf dies zwar Entlastung auf der Erzeugerseite, veränderte jedoch die Verteilung der Systemkosten. Zudem wurden Elemente der Finanzierung von Netz- und Systemdienstleistungen stärker über Netzentgelte organisiert. Nach Angaben portugiesischer und spanischer Wirtschaftsmedien fließen inzwischen erhebliche Anteile der Kosten für Versorgungssicherheit in die Tarife für Netznutzung.

Für die energieintensive Industrie bedeutet dies, dass niedrigere Großhandelspreise allein die Standortkosten nicht zuverlässig senken. Entscheidend ist die Summe aus Beschaffung am Spotmarkt, Netzentgelten, Kapazitäts- und Ausgleichsmechanismen sowie vertraglichen Bedingungen. Steigende fixe Preisbestandteile können kurzfristige Vorteile niedriger Börsenpreise neutralisieren. Unternehmen mit hohem Lastprofil und begrenzter Lastflexibilität spüren dies früher als flexible Abnehmer mit Eigen­erzeugung oder Lastmanagement.

Die Regierung und ERSE verweisen darauf, dass eine gerechte Lastenverteilung und robuste Systemstabilität soziale Härten mindern und die Versorgungssicherheit stärken sollen. Verbraucherschützer und Vergleichsdienste raten Haushalten im liberalisierten Markt, Verträge zu prüfen, da Wettbewerbsanbieter Tarife und Fixkosten unterschiedlich abbilden.

Langfristig hängt die Wettbewerbsfähigkeit Portugals davon ab, ob Infrastrukturinvestitionen, Marktregeln und die Kooperation im iberischen Stromverbund die Kostenvorteile erneuerbarer Erzeugung bis zur Endrechnung durchreichen. Der hohe erneuerbare Anteil reduziert mittlere Erzeugungskosten, macht das System aber anfällig für Preisspitzen und zusätzliche Systemdienstkosten. Transparenz über die einzelnen Preisbestandteile und deren Entwicklung bleibt daher zentral, um aus günstiger Energie echte Wettbewerbsvorteile zu machen.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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