Die Ordem dos Psicólogos Portugueses (OPP) hat am 8. Oktober 2026 eine neue Schätzung zu Produktivitätsverlusten durch arbeitsbezogenen Stress und psychische Probleme in Portugals Unternehmen vorgelegt. Demnach beliefen sich die Kosten im Jahr 2024 auf rund 13,3 Milliarden Euro. Das entspricht im Jahresdurchschnitt etwa 36 Millionen Euro pro Tag oder 1,5 Millionen Euro pro Stunde. Die OPP präsentierte die Ergebnisse in einem Bericht mit dem Titel „Prosperidade e Sustentabilidade das Organizações – Relatório do Custo do Stresse e dos Problemas de Saúde Psicológica no Trabalho, em Portugal“.
Kern der Berechnung sind zwei Komponenten: Absentismus, also krankheits- oder stressbedingte Fehlzeiten, und Präsentismus, die verringerte Leistungsfähigkeit trotz Anwesenheit am Arbeitsplatz. Für 2024 beziffert der Bericht rund 4,4 Milliarden Euro auf Absentismus und 8,9 Milliarden Euro auf Präsentismus. Erfasst werden Unternehmen außerhalb der öffentlichen Verwaltung. Methodisch stützt sich die OPP auf anerkannte volkswirtschaftliche Bewertungsansätze, die verlorene Wertschöpfung aus Arbeitszeitausfällen und Leistungseinbußen modellieren.
Die Größenordnung der Summe unterstreicht nach Einschätzung der OPP die gesamtwirtschaftliche Relevanz des Themas. Der Betrag übersteigt den in der politischen Debatte genannten Investitionsrahmen für den neuen Flughafen in Lissabon deutlich. Im Vergleich zu früheren Erhebungen seien die Verluste stark gestiegen; laut OPP liegen sie etwa viermal so hoch wie 2020. Medienberichte von RTP, Observador und Jornal Económico griffen die Präsentation und die zentralen Zahlen auf.
Die OPP verweist zugleich auf Unsicherheiten: Die ausgewiesenen 13,3 Milliarden Euro sind eine modellbasierte Schätzung. Datenlücken in einzelnen Branchen sowie indirekte Effekte, etwa über Fluktuation oder Innovationsstaus, lassen sich nur näherungsweise erfassen. Die Richtung der Ergebnisse hält die OPP dennoch für robust, weil sich mehrere Datenquellen und Annahmen gegenseitig stützen.
Aus Sicht der OPP können Unternehmen und Politik gegensteuern. Prävention psychosozialer Risiken, bessere Arbeitsorganisation, Führungskräfteschulungen und niedrigschwellige Unterstützungsangebote in Betrieben senken nach internationaler Evidenz Fehlzeiten und erhöhen die Leistungsfähigkeit. Die OPP betont, dass Investitionen in betriebliche Gesundheitsförderung erfahrungsgemäß finanziell rentabel sind, wenn Maßnahmen systematisch geplant, evaluiert und mit der Unternehmensstrategie verknüpft werden.
Mit der Veröffentlichung des Berichts verknüpft die OPP die Forderung, psychische Gesundheit als festen Bestandteil der Arbeits- und Wirtschaftspolitik in Portugal zu verankern. Angesichts der ausgewiesenen Kosten spricht sie von einem Handlungsfeld, das über Personalfragen hinausgeht und Standort- sowie Wettbewerbsfaktoren berührt.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).