Spanien hat die Anforderungen an Investoren in Rechenzentren Ende August verschärft. Branchenstimmen sehen dadurch die Gefahr, dass ein Teil geplanter Vorhaben auf der iberischen Halbinsel nach Portugal umgesteuert werden könnte. In ersten Reaktionen aus dem Sektor heißt es, strengere Nachhaltigkeits- und Genehmigungsauflagen in Spanien erhöhten Planungsrisiken; zugleich verfüge Portugal seit dem Frühjahr über einen nationalen Rahmen mit klareren Zuständigkeiten. Konkrete Projektabsagen in Spanien oder verbindliche Neuplatzierungen in Portugal wurden bislang nicht bekannt.
Portugal hat im April das Plano Nacional de Centros de Dados vorgelegt. Es bündelt bis 2027 Leitlinien für Standortsuche, Energie- und Flächenplanung sowie Governance. Zentrale Maßnahme ist die stärkere Rolle der staatlichen Agentur AICEP als einheitlicher Ansprechpartner für Investoren. Flankierend präzisiert das Decreto-Lei n.º 85/2026 die Einstufung strategischer Vorhaben und regelt Verfahren, die Vorhabenträgern verlässlichere Fristen in Aussicht stellen sollen. Ziel der Regierung in Lissabon ist es, Kapazitätsausbau mit Energieeffizienz, territorialer Steuerung und digitaler Resilienz zu verbinden.
In Spanien wiederum kritisieren Teile der Industrie das neue Real Decreto als Belastung für die Projektkalkulation. Nach Angaben aus Katalonien sollen rund 30 bereits geplante Rechenzentrumsprojekte von den neuen Regeln nicht betroffen sein. Unabhängig davon bleibt Spanien ein bedeutender Markt mit zahlreichen Ankündigungen in Madrid und weiteren Clustern. Beobachter verweisen jedoch darauf, dass zusätzliche Genehmigungsschritte, unklare Übergangsfristen oder Auflagen zu Energie- und Wasserverbrauch einzelne Investitionsentscheidungen verzögern könnten.
Für Investoren zählen neben den regulatorischen Vorgaben vor allem der Zugang zu Netz- und Energieinfrastruktur, transparente Verfahren und belastbare Ansprechpartner. Portugal setzt hier auf zentrale Koordination und Standortvorauswahl, Spanien auf eine Nachschärfung von Kriterien, die eine Überhitzung bremsen soll. Ob sich dadurch tatsächlich Kapitalströme verlagern, hängt von der praktischen Umsetzung in den kommenden Monaten ab.
Auf EU-Ebene arbeitet die Europäische Kommission an Vorhaben, die Genehmigungsprozesse digitaler Infrastrukturen vereinfachen und Umweltstandards präzisieren könnten. Diese Impulse ändern nationale Kriterien nicht automatisch, können aber Planungssicherheit erhöhen, wenn sie zügig in nationales Recht umgesetzt werden. Für die iberische Halbinsel insgesamt bleibt der Trend zu mehr Rechenzentrumskapazität intakt; die Konkurrenz der Standorte Portugal und Spanien wird sich vor allem an Verfahrensdauer, Netzanschlüssen und Energiepreisen entscheiden.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).