Aktuell

Regierung fordert mehr Druck bei der Jagd auf Wildschweine

Staatssekretär Rui Ladeira warnte in Lissabon vor „vollständigem Kontrollverlust“ bei Wildschweinen und bekräftigte ein Pilotprojekt mit Prämien für höhere Abschusszahlen in besonders betroffenen Gebieten.

Die portugiesische Regierung will den Jagddruck auf Wildschweine erhöhen. Der Staatssekretär für Forsten, Rui Ladeira, sagte am 6. November 2026 in Lissabon, die Bestände seien in „descontrolo pleno“, also außer Kontrolle, und müssten in jedem Jagdzyklus stärker reguliert werden. Die Aussage fiel während der parlamentarischen Anhörung zum Orçamento do Estado 2027.

Als kurzfristiges Instrument verweist die Regierung auf ein seit Oktober laufendes Pilotprojekt in besonders betroffenen Regionen. Es umfasst 65 Gemeinden in 15 Distrikten, adressiert mehr als 1.300 Jagdgebiete und ist mit 500.000 Euro dotiert. Für Abschüsse oberhalb des jeweiligen historischen Durchschnitts sind gestaffelte Prämien vorgesehen: 50 Euro für männliche und 70 Euro für weibliche Tiere; zusätzlich 10 Euro pro Tier bei Abgabe an eine Verwertungsstelle. Pro Jagdgebiet gilt ein Förderlimit von 2.000 Euro. Ziel ist es, landwirtschaftliche Schäden zu mindern, Kollisionen im Straßenverkehr zu reduzieren und das Einschleppungsrisiko der Afrikanischen Schweinepest zu begrenzen.

Parallel hat das Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas (ICNF) operative Hinweise veröffentlicht, darunter ein Edital zur „außerordentlichen Korrektur der Dichte von Wildschweinen“. Anträge laufen über das System RUBUS. Das ICNF betont, Eingriffe zulasten der Populationen dürften nur einzelfallbezogen, verhältnismäßig und unter Wahrung von Naturschutzwerten genehmigt werden.

Die Regierung argumentiert mit einem spürbaren Anstieg landwirtschaftlicher Schäden und mehr Verkehrsunfällen mit Wildschweinen. Zudem verweisen Fachbehörden auf Seuchenrisiken: Portugal gilt zwar als frei von der Afrikanischen Schweinepest, doch die Erkrankung breitet sich in Europa weiter aus, was ein erhöhtes Monitoring und eine konsequente Fallwild-Beseitigung erfordert.

Kritik kommt von Umweltverbänden und lokalen Akteuren, die eine verlässlichere Datengrundlage, striktere Kontrollen und kombinierte Maßnahmen verlangen: Prävention an landwirtschaftlichen Flächen, wirksamere Entschädigungen, Habitatmanagement sowie die konsequente Nutzung von Wildbret. Befürworter des Pilotprojekts verweisen dagegen auf akuten Handlungsdruck in Regionen mit hohen Dichten und wiederkehrenden Schäden.

Unabhängig von der Debatte gilt: Der rechtliche Rahmen setzt die Jagdzeiten und -methoden fest; außerordentliche Korrekturen bleiben an Genehmigungen geknüpft. Die Wirksamkeit des Pilotprojekts soll nach der laufenden Jagdsaison ausgewertet werden. Danach will das Ressort entscheiden, ob das Modell angepasst, ausgeweitet oder beendet wird.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk