Bei nächtlichen Einsätzen der Polizei gegen Protestcamps für das Recht auf Wohnen in Lissabon und Porto sind nach Angaben des Instituto Nacional de Emergência Médica (INEM) 25 Personen medizinisch versorgt worden. Neun von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht. In Lissabon behandelte der Rettungsdienst neun Personen; drei wurden in das Hospital de São José eingeliefert. In Porto wurden 16 Personen versorgt, sechs kamen in das Hospital de Santo António. Medien berichteten über Augenreizungen, Atembeschwerden und Prellungen; auch Einsatzkräfte meldeten Reizungen durch Farbsprays und erhielten Hilfe.
Die Polícia de Segurança Pública (PSP) begründete das Einschreiten mit dem Überschreiten zulässiger Versammlungszeiten und der Errichtung von Nachtlagern auf öffentlichen Plätzen. Aktivistinnen und Aktivisten der „Acampada pelo direito à habitação“ sprachen von unverhältnismäßiger Gewalt und gaben der Regierung eine Mitverantwortung für die Eskalation. Aus Porto wurden Festnahmen gemeldet; genaue Zahlen lagen am Sonntag zunächst uneinheitlich vor und wurden von den Behörden nicht umgehend bestätigt.
Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa ließ sich laut Präsidialamt von der Regierung und der Provedoria de Justiça über Ablauf, Rechtsgrundlagen und den Zustand der Festgenommenen berichten. Der Bürgermeister von Porto kündigte ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Protestierenden an. Die PSP verwies auf die Pflicht, öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten, und erklärte, man habe wiederholt Platzverweise ausgesprochen.
Die Camps sind Teil der seit Wochen andauernden landesweiten Proteste gegen stark gestiegene Wohnkosten und den Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen. In den Tagen vor den Räumungen hatten in mehreren Städten Tausende demonstriert. Das Thema Wohnen bleibt eines der konfliktträchtigsten Politikfelder Portugals: Kommunen und Regierung ringen um Regeln für kurzfristige Vermietungen, Förderung von Neubau und sozialen Wohnraum sowie um Instrumente gegen Spekulation.
Für die Nacht auf den 1. November 2026 liegt damit ein erstes, von INEM bestätigtes Verletzungsbild vor. Weitere amtliche Angaben zu Anzahl der Festnahmen, zur Dokumentation einzelner Vorfälle und zu möglichen Disziplinarverfahren gegen Einsatzkräfte stehen aus. Menschenrechtsorganisationen und Berufsverbände der Sicherheitskräfte fordern eine rasche, transparente Aufklärung der Ereignisse. Gleichzeitig signalisieren kommunale Stellen Gesprächsbereitschaft, um eine neuerliche Eskalation im Protestgeschehen zu vermeiden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).