In Portugal dauert es im Durchschnitt mehr als zweieinhalb Jahre, bis neue Krebsmedikamente nach der Zulassung auf EU-Ebene tatsächlich bei Patientinnen und Patienten ankommen. Das geht aus einer heute von portugiesischen Medien aufgegriffenen Analyse hervor. Branchennahe Vergleichsdaten, darunter der Patients W.A.I.T. Indicator der EFPIA, nennen Zeiträume von rund 700 bis 840 Tagen zwischen der Entscheidung der Europäische Arzneimittel-Agentur und dem Zugang in der Versorgung.
Als Ursachen werden in den Berichten vor allem nationale Verfahren zur Preisfestsetzung und Erstattung, zusätzliche Bewertungen durch Infarmed sowie organisatorische Hürden im Gesundheitswesen genannt. In Portugal folgt auf die EU-Zulassung eine Reihe formaler Schritte, bevor der Serviço Nacional de Saúde die Kosten übernimmt und Kliniken ein neues Präparat regulär einsetzen können. Unterschiede innerhalb der Europäischen Union sind deutlich: Während einige Mitgliedstaaten onkologische Innovationen rascher in die Regelversorgung überführen, verzeichnet Portugal im Vergleich längere Verzögerungen.
Die zeitliche Lücke hat unmittelbare Folgen für Erkrankte mit aggressiven oder fortgeschrittenen Tumoren. Fachgesellschaften und Patientenorganisationen fordern deshalb vereinfachte und besser koordinierte Abläufe, mehr Transparenz bei Erstattungsentscheidungen sowie eine breitere Nutzung von Programmen für frühen Zugang, um die Wartezeit bis zur regulären Erstattung zu überbrücken. Zugleich betonen Expertinnen und Experten, dass Beschleunigungen die Qualität der Nutzen-Risiko-Bewertung nicht unterlaufen dürfen. Sicherheit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit bleiben verbindliche Kriterien.
Das Gesundheitsministerium und Infarmed verweisen auf die Notwendigkeit solider gesundheitsökonomischer Bewertungen und auf Verhandlungen, die Preis und Budgetauswirkungen berücksichtigen. Konkrete, landesweit umgesetzte Maßnahmen, die die durchschnittlichen Zugangszeiten kurzfristig deutlich senken, sind bislang uneinheitlich. Beobachter sehen Handlungsbedarf bei klaren Fristen, der Transparenz von Bewertungsgrundlagen und beim systematischen Einsatz von Übergangslösungen, bis endgültige Erstattungsbeschlüsse vorliegen.
Die heute berichteten Zahlen stehen im Einklang mit zuvor veröffentlichten europäischen Vergleichsstudien, die für Portugal regelmäßig überdurchschnittliche Wartezeiten auf neue onkologische Therapien ausweisen. Die Debatte über schnelleren Zugang dürfte daher anhalten: Sie berührt Grundfragen der Prioritätensetzung im öffentlichen Gesundheitswesen, vom Ausgleich zwischen Innovationsförderung und Finanzierbarkeit bis zur Chancengleichheit der Patientinnen und Patienten im europäischen Vergleich.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).