Nach nächtlichen Räumungen provisorischer Zeltlager in mehreren Städten Portugals sind am 20. Oktober zahlreiche Demonstrierende auf zentrale Plätze zurückgekehrt. In Lissabon versammelten sich Hunderte auf der Praça do Rossio, auch in Porto kam es zu größeren Kundgebungen. Die Aktionen richten sich gegen steigende Wohnkosten und gegen aus Sicht der Organisatoren unzureichende Eingriffe des Staates in den aufgeheizten Miet- und Immobilienmarkt.
Die Polizei hatte in den frühen Morgenstunden Zelte und Material entfernt. Die Polícia de Segurança Pública begründete das Vorgehen mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verstößen gegen Auflagen für Versammlungen im öffentlichen Raum. Das Ministério da Administração Interna erklärte, man habe vorab das Gespräch mit den Organisatoren gesucht; die Einsatzmittel seien verhältnismäßig eingesetzt worden. Aus den Städten wurden mehrere Festnahmen gemeldet. Genaue Zahlen und Tatvorwürfe legten die Behörden zunächst nicht vollständig offen.
Vertreter der Protestbewegung warfen Regierung und Polizei ein hartes Vorgehen gegen friedliche Aktionen vor. Sie kündigten an, die Plätze weiter zu besetzen und regelmäßige Versammlungen abzuhalten. Gefordert werden unter anderem ein Moratorium für Zwangsräumungen ohne Ersatzunterkunft, strengere Regeln gegen spekulative Käufe durch internationale Fonds sowie eine Ausweitung des Angebots an gefördertem Wohnraum. Zudem verlangen die Initiativen, jüngere Änderungen im Mietrecht zu überprüfen und die Transparenz auf dem Wohnungsmarkt zu erhöhen.
Der Konflikt fällt in eine Phase deutlicher Preissteigerungen. Nach Angaben von Eurostat zogen Immobilienpreise und Mieten in Portugal in den vergangenen Quartalen spürbar an, besonders in den Ballungsräumen. Wohnungsökonominnen verweisen auf den Einfluss des Tourismus, den Boom kurzfristiger Vermietungen und ein anhaltend knappes Angebot an leistbaren Wohnungen. Die Regierung hat in den vergangenen Jahren einzelne Programme zur Mietpreisbegrenzung und zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus aufgelegt; ihre Wirkung ist jedoch umstritten.
Oppositionsparteien und zivilgesellschaftliche Organisationen kritisierten die nächtlichen Räumungen und forderten politische Antworten statt polizeilicher Maßnahmen. Beobachter erwarten, dass das Thema kurzfristig im Parlament aufgegriffen wird. Ob es zu einer Entspannung kommt, hängt davon ab, ob Regierung und Kommunen zusätzliche Mittel für den sozialen Wohnbau mobilisieren, Genehmigungsverfahren beschleunigen und zugleich Schlupflöcher für spekulative Investitionen schließen. Medienberichte aus Lissabon und Porto, darunter von RTP und Diário de Notícias, bestätigen weitere Versammlungen in den nächsten Tagen; konkrete Verhandlungen zwischen Behörden und Organisatoren waren bis Redaktionsschluss nicht bekannt.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).