Patientenverbände und Fachgesellschaften starten im September in Portugal neue Informations- und Screening-Aktionen zur Migräne. Sie verweisen auf eine anhaltende Unterdiagnostik bei einer Erkrankung, von der hierzulande schätzungsweise rund zwei Millionen Menschen betroffen sind. Auf das Thema hatten zuletzt auch Berichte von SIC Notícias hingewiesen.
Die Größenordnung ist in aktuellen Fachunterlagen und einem 2025 publizierten Konsens zur Versorgung von Kopfschmerzerkrankungen belegt. Dort wird eine Prävalenz von etwa 19,3 Prozent der Bevölkerung genannt, was bei der heutigen Einwohnerzahl etwa zwei Millionen Betroffenen entspricht. Rund 780.000 Menschen erleben demnach Attacken mit erheblicher Beeinträchtigung; zusätzlich gibt es Hunderttausende mit chronischen Kopfschmerzen. Die Datengrundlagen umfassen epidemiologische Studien sowie klinische Erhebungen, die auch Produktivitätsverluste und andere volkswirtschaftliche Folgen dokumentieren.
Fachleute benennen drei kurzfristig wirksame Hebel: erstens systematische Fortbildung in der Allgemeinmedizin, zweitens klar definierte und zügige Überweisungswege in spezialisierte Kopfschmerz- und Neurologiezentren, drittens der breitere Zugang zu präventiven Therapien. Als praktikables Instrument in der Primärversorgung wird das validierte Screening-Tool ID-Migraine empfohlen, das in Portugal verfügbar ist und eine rasche Erkennung erleichtert.
Kooperationen zwischen MiGRA Portugal, der Sociedade Portuguesa de Cefaleias und der Sociedade Portuguesa de Neurologia gelten als zentral, um Diagnoseverzögerungen abzubauen. Offizielle Stellen wie die Direção-Geral da Saúde werden in den zitierten Empfehlungen als Partner für Leitlinien und Organisation genannt. Ein formelles nationales Programm zur flächendeckenden Erfassung und Koordination der Migräneversorgung besteht jedoch bislang nicht.
Die nun angekündigten Aktionen zielen darauf, die öffentliche Wahrnehmung zu schärfen, Betroffene niedrigschwellig zu identifizieren und Versorgungswege zu klären. Der Nachrichtenanlass liegt in der zeitnahen Umsetzung dieser Maßnahmen im September und ihrer landesweiten Ausrichtung. Die Aussagen zu Prävalenz, Krankheitslast und Versorgungslücken sind in portugiesischen Fachpublikationen und Verbandsunterlagen dokumentiert; neue gesetzliche Vorgaben oder ein staatliches Finanzierungsprogramm wurden bis zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht bekannt gemacht.
Die anhaltende Unterdiagnostik hat spürbare Folgen: individuell durch Einschränkungen der Lebensqualität und Arbeitsausfälle, gesamtwirtschaftlich durch Produktivitätsverluste. Die Fachgesellschaften fordern deshalb eine rasche organisatorische und edukative Antwort des Gesundheitssystems, damit Diagnosen früher gestellt und wirksame Therapien häufiger und zielgerichteter eingesetzt werden.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).