Die Câmara Municipal de Lisboa hat am 6. November 2026 die Räumung der Acampada auf der Praça do Rossio angeordnet, um den Aufbau des Mercado de Natal zu ermöglichen, dessen Eröffnung für den 13. November vorgesehen ist. Händler der Baixa dringen auf den Verbleib des Markts am traditionellen Standort und verweisen auf bereits getätigte Investitionen und die Bedeutung der Vorweihnachtszeit für ihre Umsätze. Vertreter der Proteste gegen die Wohnungskrise kündigten an, den Ort nicht zu wechseln.
Als Begründung nennt die Stadt die unvereinbare Doppelbelegung des zentralen Platzes. Laut der Begründung stützt sie sich dabei auch auf Einschätzungen des Comando Metropolitano der Polícia de Segurança Pública, wonach Marktaufbau und Dauerkundgebung an derselben Stelle aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Logistik nicht gleichzeitig durchführbar seien. Bürgermeister Carlos Moedas hatte zuvor öffentlich erklärt, die Stadt müsse den Weihnachtsmarkt absichern und zugleich das Demonstrationsrecht wahren.
Aus dem Protestumfeld heißt es, eine gerichtliche Entscheidung vom 1. November habe einer Teilnehmerin befristeten Aufenthalt gestattet und Fragen der Verhältnismäßigkeit polizeilicher Eingriffe aufgeworfen. Das Ministério da Administração Interna stellte dazu klar, es handle sich um einen Einzelfall ohne Anerkennung eines allgemeinen Rechts auf dauerhafte Besetzung des öffentlichen Raums.
Die Stadt bot den Organisatoren der Acampada drei Ausweichorte in unmittelbarer Nähe an: den Largo de São Domingos, die Praça do Martim Moniz und die Praça dos Restauradores. Die Aktivisten lehnten dies ab und verwiesen auf die Sichtbarkeit ihres Anliegens am Rossio. Damit prallen zwei Anliegen sichtbar aufeinander: die wirtschaftlichen Interessen der Gewerbetreibenden und das politische Ziel der Bewegung, auf die Wohnungskrise aufmerksam zu machen.
Wie der Beschluss vollzogen wird, ist offen. Ohne Räumung drohen Verzögerungen beim Aufbau des Mercado de Natal und weitere rechtliche Auseinandersetzungen. Mit einer Verlegung oder dem Abtransport der Zelte wären hingegen erneute Proteste und polizeiliche Einsätze möglich. Die Stadtverwaltung betont, sie strebe eine Lösung mit möglichst wenig Zwang an. Zugleich verweist sie auf das öffentliche Interesse an einer geordneten Nutzung der Praça do Rossio in der Hochsaison des Einzelhandels.
Der Konflikt verweist über den Einzelfall hinaus auf die angespannte Balance zwischen Versammlungsfreiheit und Nutzungskonzepten für zentrale Räume in Lissabon. Entscheidungen über Fristen und konkrete Maßnahmen hat die Câmara Municipal de Lisboa bislang nicht veröffentlicht.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).