Die portugiesische Schriftstellerin Lídia Jorge hat ihren Roman Misericórdia in Shanghai vorgestellt. Die chinesische Übersetzerin Han Lili sagte am 29. September, die Erzählung über Altern, Fürsorge und familiäre Verantwortung finde bei Leserinnen und Lesern in China wie in Portugal unmittelbare Resonanz. Die Veranstaltung und das Gespräch mit Han wurden von der staatlichen Nachrichtenagentur Lusa berichtet und von RTP verbreitet.
Misericórdia, in Portugal vielfach ausgezeichnet und seit August auch in chinesischer Übersetzung im Verlag Century Wenjing erhältlich, schildert das letzte Lebensjahr einer Frau in einer Pflegeeinrichtung und verbindet intime Erinnerung mit gesellschaftlichen Fragen der Altenpflege. Nach Han Lili trage die literarische Präzision der Autorin dazu bei, geografische und kulturelle Distanzen zu überwinden, weil die verhandelten Erfahrungen universell seien.
Han Lili, die an der Polytechnischen Universität Macao lehrt, erläuterte, dass sie bei der Übertragung des Romans ins Chinesische stilistische Entscheidungen treffen musste, um Tonfall, kulturelle Anspielungen und Erzählrhythmus zugänglich zu machen. Ziel sei gewesen, die Stimme von Lídia Jorge zu wahren und zugleich Lesefluss und Verständlichkeit für das chinesischsprachige Publikum sicherzustellen. Diese Spannweite der Übersetzungsarbeit sei transparent kommuniziert worden.
Der Auftritt in Shanghai unterstreicht die Präsenz portugiesischer Literatur auf internationalen Bühnen. Für Portugal verweist er auf die Strahlkraft einer etablierten Gegenwartsautorin, deren Werk seit Jahren in mehrere Sprachen übertragen wird. In China erhält der Roman zusätzliche Aktualität vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und der wachsenden Bedeutung institutioneller Pflege. Nach Darstellung von Han Lili öffnen solche Bücher einen Raum, in dem individuelle Lebensgeschichten und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zusammengeführt werden.
RTP und Lusa betonen, dass die chinesische Ausgabe von Misericórdia in diesem Sommer auf den Markt gekommen ist und die Präsentation in Shanghai Teil eines literarischen Programms mit Publikumsgesprächen war. Konkrete Verkaufszahlen wurden nicht genannt. Die Reaktionen im Saal seien laut Berichten positiv ausgefallen, vor allem dort, wo der Roman die emotionale und praktische Seite von Pflegearbeit berührt. Prognosen über die weitere Rezeptionsentwicklung in China wurden nicht abgegeben.
Mit der Vorstellung in Shanghai vertieft Lídia Jorge den kulturellen Austausch zwischen Portugal und China. Das Ereignis ist weniger eine singuläre Buchwerbung als ein sichtbares Beispiel dafür, wie Literatur soziale Debatten über Generationenverträge und Fürsorgestrukturen anschlussfähig macht – jenseits der jeweiligen Landessprachen.
Redakteurin: Celestina Fuentes (Artikel mit KI-Unterstützung).