Die portugiesische Justizministerin Rita Alarcão Júdice hat am 9. September im Parlament deutliche Engpässe im Strafvollzug eingeräumt. Nach ihren Angaben sitzen landesweit mehr als 13.700 Menschen ein; seit März sei die Zahl der Gefangenen um rund 4,5 Prozent gestiegen. Die Überbelegung treffe besonders das Estabelecimento Prisional de Lisboa. Von 1. Januar bis 7. September 2026 wurden demnach 55 Todesfälle in Haft verzeichnet: ein Tötungsdelikt, zwölf Suizide und 42 Todesfälle infolge von Krankheit.
Als Gegenmaßnahme bekräftigte die Ministerin den bereits beschlossenen stufenweisen Rückbau des Gefängnisses in Lissabon. Eine stark belastete Abteilung soll noch 2026 schließen; eine andere Einheit sei nach ihren Worten bereits im Laufe dieses Jahres außer Betrieb genommen worden. Der vollständige Auszug aus dem Estabelecimento Prisional de Lisboa ist bis 2028 geplant. Zur Aufnahme der Verlegungen sind Umbauten und Neubauten in umliegenden Anstalten vorgesehen, darunter Alcoentre, Linhó, Sintra, Tires und Caxias. Insgesamt sollen bis Ende 2028 rund 1.142 zusätzliche Haftplätze entstehen.
Júdice kündigte Investitionen in die Infrastruktur an. Das Hospital prisional São João de Deus soll kurzfristig um mindestens 21 Betten in einer neuen Station erweitert werden. Zudem sind spezielle Sicherheitszellen für besonders verletzliche Inhaftierte geplant. Als strukturelle Probleme nannte sie die alternde und gesundheitlich belastete Gefangenenschaft sowie Engpässe bei der Rekrutierung von forensischen Psychiaterinnen und Psychiatern.
Die Ministerin stellte den Zeitplan als laufendes Regierungsprogramm dar. Er erfordere weitere Entscheidungen im Kabinett und präzise Bau- sowie Ausschreibungspläne, etwa für Umbauten in Caxias und den Ausbau in Alcoentre. Ziel sei es, den Druck auf das Estabelecimento Prisional de Lisboa rasch zu mindern, ohne neue Überbelegung an anderer Stelle zu erzeugen. Zahlen zu Insassenzahl und Sterbefällen basieren auf den aktuellen Angaben des Justizressorts; die Ressortchefin betonte, die Entwicklung werde fortlaufend evaluiert.
Im Hintergrund stehen wiederholte Hinweise internationaler und nationaler Stellen auf strukturelle Defizite des portugiesischen Strafvollzugs. Nach Regierungsdarstellung ist der schrittweise Auszug aus dem Gefängnis Lissabon der zentrale Baustein, um Sicherheits- und Gesundheitsstandards zu heben. Ob der avisierte Zubau von Kapazitäten in Alcoentre, Linhó, Sintra, Tires und Caxias den Bedarf zeitgerecht deckt, bleibt eine offene Frage und hängt vom weiteren Zugang zur Haft sowie vom Tempo der Bauvorhaben ab.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).