Gesellschaft

Jeder zweite arme Erwachsene in Portugal hat Arbeit

Neuer Bericht von EAPN Portugal: Erwerbsarbeit schützt viele nicht vor Armut. Wohnkosten treiben Not, Risikoquote unter 20 Prozent, dauerhafte Armut nimmt zu.

EAPN Portugal, die Rede Europeia Anti‑Pobreza, hat ihren Bericht Relatório Pobreza e Exclusão Social 2025 vorgelegt. Zentrale Befundlage: Rund die Hälfte der erwachsenen Menschen, die in Portugal in Armut leben oder von Ausgrenzung bedroht sind, ist erwerbstätig. Erwerbsarbeit schützt damit für viele nicht mehr zuverlässig vor Armut. Als wesentlicher Treiber der materiellen Belastungen wird die Wohnkostenlast genannt.

Der Bericht stützt sich auf aktuelle Mikrodaten der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU‑SILC) und wertet Indikatoren für die Lage im Jahr 2024 aus. Die landesweite Quote des Risikos von Armut oder sozialer Ausgrenzung lag demnach unter 20 Prozent. Das entspricht knapp zwei Millionen Menschen. Trotz dieses leichten Rückgangs hebt EAPN Portugal hervor, dass die dauerhafte, also mehrjährige Armut zugenommen hat.

Überdurchschnittlich betroffen sind Gruppen mit unsicheren Erwerbsverhältnissen: Selbständige mit schwankenden Einkommen, Personen mit befristeten Verträgen sowie Teilzeitbeschäftigte. Niedrige Löhne, prekäre Beschäftigung und unzureichend zielgenaue Sozialtransfers verstärken das Risiko der Erwerbsarmut. EAPN Portugal unterscheidet hierbei klar zwischen statistisch beobachteten Entwicklungen und politisch bewertenden Schlussfolgerungen.

Besondere Bedeutung misst der Bericht den Wohnkosten bei. Hohe Mieten und steigende Kreditbelastungen drängen Haushalte unter die Armutsgrenze oder verschärfen bestehende Deprivation. Ohne eine wirksame Wohnpolitik, so die Analyse, bleibe die Wirkung von Beschäftigungs‑ und Transfermaßnahmen begrenzt. Regional verweist das Dokument auf unterschiedliche Belastungslagen, unter anderem im Algarve und auf den Açores.

Aus den Befunden leitet EAPN Portugal Empfehlungen ab: Stärkerer Mieterschutz, ein deutlicher Ausbau gemeinwirtschaftlicher Wohnangebote, gezielte Anpassungen bei Mindestlohn und Sozialtransfers sowie Maßnahmen zur Eindämmung prekärer Erwerbsarbeit. Die Organisation betont, dass eine kohärente Wohnungspolitik Voraussetzung dafür ist, dass Lohn‑ und Transferpolitik Armut wirksam mindern kann.

Die Veröffentlichung ist für die politische Debatte in Lissabon und in den Regionen relevant, weil sie eine verbreitete Annahme widerlegt: Arbeit allein reicht vielen Haushalten nicht zum Auskommen. Der Bericht liefert zudem belastbare Messgrößen, an denen Regierung, Parlament und Sozialpartner künftige Korrekturen in der Arbeits‑ und Wohnungspolitik messen können.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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