Wirtschaft

Handels- und Dienstleistungsverband stellt Lohnpakt infrage

Paulo Duarte, Präsident der Confederação do Comércio e Serviços de Portugal, rügt ausstehende Zusagen des Staates und fordert Anreize und Druck, damit Unternehmen über dem Mindestlohn zahlen.

Paulo Duarte, Präsident der Confederação do Comércio e Serviços de Portugal (CCP), hat am 12. September 2026 erklärt, sein Verband sehe sich nicht an das Einkommensabkommen gebunden, solange der Staat zugesagte Gegenleistungen nicht umsetze. In dem Interviewformat Conversa Capital von Antena 1 und Jornal de Negócios kritisierte er, der in Portugal politisch gesteuerte salário mínimo drohe zur faktischen Lohnleitlinie zu werden und Spielräume für übrige Löhne aufzuzehren. Ziel des Abkommens ist ein Mindestlohn von 970 Euro im Jahr 2027.

Duarte forderte, Unternehmen müssten grundsätzlich über dem Mindestlohn bezahlen. Dafür brauche es ein Paket, das zugleich Anreize für höhere Entgelte setze und Betriebe sanktioniere, die dauerhaft einen überproportionalen Anteil ihrer Beschäftigten nur zum Mindestlohn vergüteten. Er betonte, er hätte das bestehende Abkommen in seiner heutigen Form nicht unterzeichnet, und plädierte für eine Neuverhandlung in der Concertação Social mit fiskalischen Maßnahmen und wachstumsorientierten Instrumenten zur Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen.

Die Aussagen erneuern den Druck auf die Regierung, innerhalb der Concertação Social offenstehende Zusagen zu präzisieren. Arbeitgeberverbände hatten bereits im Sommer 2026 wiederholt darauf hingewiesen, dass Teile der vereinbarten Entlastungen und Korrekturen nicht umgesetzt seien. Gewerkschaften halten dem entgegen, dass der salario mínimo kräftiger steigen müsse, um Kaufkraftverluste auszugleichen. Strittig sind insbesondere der Umfang steuerlicher Entlastungen und die Ausgestaltung gezielter Unterstützungsinstrumente für Betriebe.

Politisch fällt die Kontroverse in die Vorbereitungen für das Orçamento do Estado 2027. Eine öffentliche Distanzierung eines großen Branchenverbands erschwert die Suche nach einem tragfähigen Kompromiss: Ohne glaubhafte Kompensation droht das Lohnziel von 970 Euro zu einer kostentreibenden Unterkante zu werden; mit zusätzlichen Entlastungen steigt dagegen der Druck auf die Haushaltsplanung. Entscheidungen liegen bei Regierung und Sozialpartnern; das Interview setzt jedoch den inhaltlichen Rahmen, in dem die nächste Verhandlungsrunde stattfinden dürfte.

Das Gespräch mit Paulo Duarte wurde am 12. September 2026 ausgestrahlt. Konkrete Beschlüsse zum weiteren Verfahren standen bis Redaktionsschluss aus.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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