Die wissenschaftliche Expedition Madeira Ocean 2026 hat im Oktober mit mehreren Schiffen und Teams systematische Erhebungen der marinen Ökosysteme rund um Madeira, Porto Santo und die Ilhas Desertas aufgenommen. Nach Angaben der Regionalregierung und des öffentlich-rechtlichen Senders RTP beteiligen sich rund 200 Fachleute aus 34 Einrichtungen aus mehreren Ländern. Der Einsatz ist auf etwa vier Wochen angelegt und zählt zu den umfangreichsten Meeresforschungsvorhaben in Portugal. Ziel ist eine belastbare Datengrundlage zu Artenvielfalt, Lebensräumen und Umweltdruckfaktoren in ausgewiesenen und angrenzenden Schutzgebieten.
Im Mittelpunkt stehen Kartierungen, biologische Bestandsaufnahmen und die Wiederholung langfristiger Messreihen. Eingesetzt werden verschiedene Methoden, darunter Fernerkundung, standardisierte Unterwasservideobeobachtung mit beköderten Kamerasystemen (baited remote underwater video, BRUV), Taucheinsätze sowie akustische Verfahren. Damit sollen sowohl Großfauna wie Wale, Delfine und Haie dokumentiert werden als auch benthische Lebensgemeinschaften und potenzielle Kaltwasserkorallen in tieferen Zonen. Erste Einsätze fanden unter anderem im Bereich der Reserva Natural Parcial do Garajau statt.
Organisiert wird die Aktion von Stellen der Região Autónoma da Madeira in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern. Genannt werden unter anderem ARDITI, das Oceanário de Lisboa, MARE-Madeira sowie das Programm National Geographic Pristine Seas. Die Regionalregierung betont die Bedeutung der Erhebungen für Planung, Ausweisung und Management mariner Schutzgebiete. Die Daten sollen in standardisierte Monitoringprogramme einfließen und künftige Entscheidungen zu Schutzstrategien fachlich untermauern.
Konkrete Ergebnisse, etwa zu Bestandsgrößen oder zu neu nachgewiesenen Arten, liegen zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht vor. Die Messkampagnen laufen über mehrere Wochen; im Anschluss sind Auswertungen und Fachgutachten vorgesehen. Entscheidungen mit rechtlicher oder räumlicher Tragweite – etwa Vorschläge für neue Schutzzonen oder Anpassungen bestehender Grenzen – erfolgen in gesonderten Verwaltungsverfahren und auf Basis der konsolidierten Datensätze.
Der überregionale Stellenwert ergibt sich aus der Rolle Madeiras als bedeutendem marinen Biodiversitätsraum im Nordostatlantik und als Referenzgebiet für Schutz- und Managementmaßnahmen Portugals. Die internationale Beteiligung erleichtert methodische Vergleiche, den Transfer erprobter Verfahren und die Einordnung der Ergebnisse im atlantischen Kontext. Frühere Projekte liefern Vergleichswerte, auf die sich die aktuellen Teams beziehen; die Expedition soll diese Zeitreihen erweitern und vereinheitlichen.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).