Portugiesische Medien berichten am 6. November 2026 über neue Vergleichsdaten von Eurostat: Der vollzeitbereinigte Durchschnittsverdienst lag 2025 in Portugal bei 26.202 Euro. Damit bleibt Portugal im EU-Vergleich im unteren Feld. ECO und TVI verweisen auf den Eurostat-Indikator für das durchschnittliche, auf Vollzeitäquivalenz umgerechnete Jahresgehalt pro Beschäftigtem.
Der von Eurostat genutzte Kennwert erfasst Bruttojahresentgelte und rechnet Teilzeitstellen auf eine Vollzeitäquivalenz hoch, um die Länder besser vergleichbar zu machen. Er ist ein arithmetischer Mittelwert und wird durch sehr hohe Einkommen nach oben verzerrt. Aussagen über die Verteilung der Löhne innerhalb eines Landes lassen sich daraus nicht direkt ableiten.
Für die nationale Einordnung verweist das Instituto Nacional de Estatística (INE) auf die durchschnittliche Bruttomonatsvergütung je Beschäftigtem. Dieser nationale Maßstab lag 2025 bei 1.694 Euro. Beide Größen messen Unterschiedliches: Der Eurostat-Wert ist ein vollzeitbereinigtes Jahreseinkommen, die INE-Zahl eine Monatsvergütung ohne Umrechnung auf Vollzeitäquivalenz. Zudem ist der Mittelwert (Durchschnitt) nicht identisch mit dem Median, also dem Wert, bei dem die Hälfte der Beschäftigten darüber und die andere Hälfte darunter liegt. Dass „mehr als die Hälfte“ der Beschäftigten den Durchschnitt nicht erreicht, folgt bereits aus der Ungleichverteilung von Löhnen und ist kein Widerspruch zu den veröffentlichten Zahlen.
Im EU-Vergleich erklären mehrere Faktoren das anhaltend niedrigere Niveau in Portugal: ein hoher Anteil von Branchen mit geringer Wertschöpfung, eine im europäischen Vergleich kleinere Produktivität vieler Unternehmen, eine ausgeprägte Spreizung zwischen Spitzen- und Niedriglöhnen sowie die weiterhin relevante Teilzeit- und befristete Beschäftigung. Diese Strukturmerkmale schlagen sich in der Differenz zwischen dem EU-Durchschnitt und dem portugiesischen Wert nieder.
Politisch und wirtschaftlich sind daraus zwei Folgerungen abzuleiten. Erstens genügt es für eine Lagebeurteilung nicht, nur einen Durchschnittswert zu betrachten; aussagekräftig wird das Bild erst im Zusammenspiel von Durchschnitt, Median und sektoralen Unterschieden. Zweitens bleiben Maßnahmen zur Stärkung der Produktivität, zur Qualifizierung der Beschäftigten und zur Eindämmung prekärer Beschäftigungsformen zentral, wenn das Lohnniveau dauerhaft näher an den EU-Durchschnitt heranrücken soll. Eurostat und INE liefern dafür die komplementären Daten: international vergleichbar auf Jahresbasis und national detailliert auf Monatsbasis. Beide Perspektiven sind nötig, um die Entwicklung des portugiesischen Arbeitsmarkts belastbar einzuordnen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).