Der Banco de Portugal hat am 4. November in der Reihe Números que contam eine Sektorstudie zum Baugewerbe vorgelegt. Demnach erreichte der nominale Umsatz der Branche im zweiten Quartal 2026 den Höchststand von 43,5 Milliarden Euro. Die Zentralbank zeichnet den Weg von den Einbrüchen infolge der internationalen Finanz- und Staatsschuldenkrise bis zur heutigen Erholung nach und attestiert dem Sektor eine deutlich verbesserte Finanzlage.
Laut Studie hat sich das Geschäftsvolumen seit dem Tiefpunkt der Jahre 2015/2016 mehr als verdoppelt. Besonders dynamisch entwickelte sich der Hochbau. Nach einem markanten Rückgang in der Krise stieg die Zahl aktiver Unternehmen wieder an und liegt inzwischen über dem Vorkrisenniveau. Der Markt bleibt jedoch stark kleinteilig, was die Widerstandskraft einzelner Firmen begrenzt.
Finanzkennzahlen verbesserten sich spürbar: Die Gesamtkapitalrentabilität und die Eigenkapitalrendite lagen 2025 über dem längerfristigen Durchschnitt, die Eigenkapitalquoten nahmen zu. Zudem sank der Anteil notleidender Kredite in den vergangenen Jahren deutlich und lag im zweiten Quartal 2026 bei rund 2 Prozent. Er bleibt damit aber höher als in vielen anderen Sektoren.
Die Zentralbank benennt zugleich Verwundbarkeiten. Fast ein Fünftel der Unternehmen wies 2025 negatives Eigenkapital aus. Risiken konzentrieren sich vor allem bei kleineren Marktteilnehmern und in Teilsegmenten, die unter Preisdruck und hohen Vorleistungskosten stehen. Regionale Unterschiede verstärken diese Muster.
Als Stützen der Aktivität nennt die Analyse staatliche Investitionsprogramme und öffentliche Ausschreibungen, darunter Maßnahmen im Rahmen von Portugal 2030. Dagegen belasteten steigende Baukosten und anhaltende Engpässe bei Fachkräften die Margen. Die Bank verweist darauf, dass die ausgewiesenen Umsätze nominal sind; die reale Wertschöpfung wird von Inflations- und Kostenentwicklungen mitgeprägt.
Für Politik und Kreditgeber leitet die Studie zwei Linien ab: Erstens signalisiert der Umsatzrekord von 43,5 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2026 eine tragfähige Erholung des Sektors. Zweitens rechtfertigen die fortbestehenden Anteile an schwach kapitalisierten Firmen, der überdurchschnittliche Bestand an notleidenden Krediten und die regionale Streuung der Risiken eine enge Beobachtung der Finanzierung und der Ausschreibungszyklen. Über die kurzfristige Konjunktur hinaus bleibt entscheidend, ob Produktivität, Planungssicherheit und Fachkräfteangebot ausreichen, um die Investitionsprogramme und den privaten Wohnungsbau ohne erneute Verschuldungsrisiken zu tragen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).