In Portugal ist am 28. Oktober 2026 der Atlas „Um Atlas da Religião em Portugal“ vorgestellt worden. Die Veröffentlichung verdichtet die endgültigen Ergebnisse des Censos 2021 und bestätigt einen markanten Trend: Die Zahl der Menschen ohne Religion hat sich zwischen 2011 und 2021 mehr als verdoppelt, während die Katholische Kirche weiterhin die mit Abstand größte Gemeinschaft bleibt.
Nach den Daten des Instituto Nacional de Estatística gaben 2011 insgesamt 615.332 Personen (6,8 Prozent) an, keiner Religion anzugehören. 2021 waren es 1.237.130 Personen (14,1 Prozent). Zugleich erklärten bei der letzten Erhebung 80,2 Prozent derjenigen, die die Frage zur Religionszugehörigkeit beantworteten, der Katholischen Kirche anzugehören. Der Atlas ordnet diese Verschiebungen räumlich und demografisch: Besonders in urbanen Räumen und in jüngeren Alterskohorten wächst die Gruppe derjenigen, die sich als ohne Religion bezeichnen. Die Religionsfrage im Zensus ist freiwillig; Nichtantworten fließen nicht in die genannten Anteile ein.
Der Atlas, an dem unter anderem Alfredo Teixeira als Mitautor beteiligt ist, wertet die Censos 2021 systematisch aus und macht regionale Unterschiede sichtbar. Er verweist zugleich auf die seit den 1990er-Jahren beobachtete Tendenz einer abnehmenden katholischen Selbstzuordnung bei wachsender Gruppe ohne Religionszugehörigkeit. Eine eigenständige Aussage über individuelle Religiosität oder Praxis lässt sich aus den Selbstangaben im Zensus nicht ableiten; gemessen wird die deklarierte Zugehörigkeit.
Die Katholische Kirche bleibt trotz der relativen Verluste prägend: In fast allen Bezirken liegt ihr Anteil weiterhin klar über der Hälfte. Zuwächse verzeichnet neben der Gruppe ohne Religion vor allem die religiöse Pluralität in den Großräumen, getrieben durch Binnenwanderung und Migration. Medien wie Renascença bereiteten die Befunde am Veröffentlichungstag interaktiv auf und betonten den Nutzwert für lokale und nationale Akteure.
Politische oder rechtliche Konsequenzen ergeben sich aus den Zahlen nicht automatisch. Bestehende Vereinbarungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften sowie das Recht auf Religionsfreiheit bleiben unberührt. Für Bildung, Sozialarbeit und Kulturpolitik deuten die Ergebnisse jedoch auf veränderte Bedarfe hin, etwa bei Ethik- und Religionsunterricht, in der Gemeinwesenarbeit oder bei der Planung öffentlicher Räume. Prognosen über die weitere Entwicklung hängen von Faktoren wie Migration, Altersstruktur und fortschreitender Säkularisierung ab und lassen sich aus den vorliegenden Zensusdaten nur begrenzt ableiten.
Der Atlas stützt sich primär auf die vom Instituto Nacional de Estatística veröffentlichten Zensusdaten. Ergänzende Einordnungen stammen von Forschungsteams der Universidade Católica Portuguesa und weiteren Einrichtungen, die die Datensätze in Karten, Zeitreihen und Altersprofilen auswerten.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).