Die Associação Empresarial de Portugal hat am 3. Oktober 2026 ein Positionspapier zum Orçamento do Estado 2027 veröffentlicht. Der Wirtschaftsverband verlangt eine spürbare Senkung der Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen, planbare Forschungsanreize und gezielte Maßnahmen zur Stärkung von Größe und Internationalisierung portugiesischer Firmen. Nach Verbandsangaben umfasst der Katalog 16 Vorschläge in fünf Handlungsfeldern, die auf höheres Investitions- und Produktivitätswachstum zielen.
Konkret wirbt die Associação Empresarial de Portugal für eine Verlängerung des steuerlichen Forschungsanreizsystems SIFIDE über 2026 hinaus, für eine schrittweise Entlastung beim Unternehmenssteuersatz IRC in definierten Konstellationen sowie für Anreize zu Unternehmenszusammenschlüssen, um Skaleneffekte zu heben. Zudem sollen Entlastungen mit Verwaltungsvereinfachungen einhergehen, damit Investitionen schneller umgesetzt werden können. Der Verband begründet die Forderungen mit der Wettbewerbsfähigkeit: Ohne Entlastungen drohe Portugal im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei Investitionen und Exporten zurückzufallen.
Auch andere Spitzenverbände stützen die Stoßrichtung. Die Confederação Empresarial de Portugal fordert in eigenen Stellungnahmen mehr Ambition bei wachstumsorientierten Maßnahmen und verweist auf Bremseffekte durch hohe „Kontextkosten“. Diese Einschätzungen betreffen vor allem die steuerliche Belastung von Arbeit und Kapital sowie Hürden für Investitionen in Forschung, Digitalisierung und Internationalisierung.
Unabhängige fiskalpolitische Beobachter verweisen zugleich auf enge finanzielle Spielräume der öffentlichen Haushalte. Größere Steuersenkungen im IRC und zusätzliche Anreize wie SIFIDE müssten gegenfinanziert oder mit Einsparungen an anderer Stelle verknüpft werden, um die Haushaltsziele und Schuldentragfähigkeit nicht zu gefährden. Daraus ergeben sich Zielkonflikte, die in den kommenden Wochen politisch zu klären sind.
Für die Umsetzung sind die Verhandlungen zwischen Regierung und Parlament im Haushaltsverfahren entscheidend. Ob und in welchem Umfang Forderungen der Associação Empresarial de Portugal in den finalen Text des Orçamento do Estado 2027 einfließen, hängt von konkreten Kompensationsvorschlägen, der technischen Ausgestaltung und tragfähigen Mehrheiten ab. Der Verband betont, dass eine Kombination aus steuerlicher Entlastung, verlässlichen Forschungsanreizen wie SIFIDE und administrativer Entschlackung nötig sei, um privates Kapital zu mobilisieren und die Exportbasis zu verbreitern.
Mit dem Vorstoß setzt die Wirtschaft die Regierung unter Druck, den budgetären Rahmen stärker auf Wachstum auszurichten. Die nächsten Verfahrensschritte im Parlament werden zeigen, welche Prioritäten im Staatshaushalt 2027 gesetzt werden und inwieweit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Portugal kurzfristig gestärkt werden kann.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).